13. Juni 2024

Als Führungskraft Eigenverantwortung stärken: Der Responsibility Process

Eigenverantwortliches Handeln von vielen Teams erst erlernt werden. Gerade in eher hierarchischen Organisationen ist das für viele Beteiligte eine große Veränderung. Erfahrungen müssen gesammelt und Vertrauen aufgebaut werden. Der Responsibility Process kann hierbei helfen.
Marc Riedinger, mit dunklem Oberteil, ernst in die Kamera blickend.

Autor:in

Marc Riedinger

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Selbstorganisation in Unternehmen ist kein Trend, sondern ein entscheidender Faktor für den Erfolg in einer sich ständig wandelnden Geschäftswelt. Führungskräfte spielen dabei eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, ihre Teams zu befähigen, autonom und verantwortungsbewusst zu handeln. Ein effektiver Ansatz dafür ist der Responsibility Process von Christopher Avery.

Avery, Experte für Führung und Teamdynamik, beschreibt mit dem Prozess eine Art mentale Landkarte, die uns dabei unterstützt, unsere Reaktionen auf Herausforderungen zu verstehen und zu verbessern. Das Wort “Antwort” steckt in “Verantwortung”, schreibt Avery und weist damit darauf hin, dass jeder Mensch entscheiden kann, wie er oder sie auf eine Situation antworten, also reagieren möchte. Je nach Art dieser Antwort handelt jemand eigenverantwortlich oder nicht.

Die Phasen des Responsibility Process

Der Responsibility Process besteht aus verschiedenen Phasen, beginnend mit der "Verneinung" und endend mit der "Verantwortung". In der Verneinungsphase neigen wir dazu, Verantwortung zu leugnen oder anderen die Schuld zuzuschieben. Nach und nach durchlaufen wir jedoch die Phasen der Rechtfertigung, Schuldzuweisung, Scham und Verpflichtung, bevor wir schließlich in die Verantwortungsphase gelangen. Dieser Weg ist jedoch nicht linear – Menschen können in einer Phase verharren oder in eine vorherige Phase zurückfallen.

Die Stärke dieses Prozesses liegt in erster Linie in der Bewusstmachung und Orientierung, nach welchem Muster man auf bestimmte Situationen reagiert. Gemeinsam mit Mitarbeitenden oder Teams können Sie Reaktionsmuster einer Phase zuordnen und darüber sprechen, wie die Reaktion beim nächsten Mal eigenverantwortlicher ausfallen könnte. So entwickeln Sie sich gemeinsam und schrittweise immer stärker in Richtung Eigenverantwortung.

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Warum ist das wichtig für Führungskräfte?

Der Schlüssel liegt darin, die individuellen Reaktionsmuster zu erkennen und bewusst auf die Ebene der Verantwortung zu gelangen. Führungskräfte, die den Responsibility Process verstehen und anwenden, schaffen eine Kultur der Verantwortlichkeit in ihren Teams. Dies fördert nicht nur die Selbstorganisation, sondern auch die Fähigkeit jedes Teammitglieds, proaktiv auf Herausforderungen zu reagieren.

Als Führungskraft sind sie dabei aktives Teammitglied und reflektieren Ihre eigenen Antwortmuster mit dem Team auf Augenhöhe. Der Prozess selbst schützt Sie und das Team dabei vor sogenanntem “Blame Gaming”, also gegenseitiger Schuldzuweisung ohne konstruktive Lösungsansätze. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit kann deutlich gestärkt werden, die Eigeninitiative ihres Teams steigt.

Der konkrete Tipp für mehr eigenverantwortliches Handeln

Ein behutsames Rantasten und Regelmäßigkeit sind der Schlüssel zur erfolgreichen Anwendung des Responsibility Prozesses. Führen Sie das Team durch die einzelnen Phasen in einer möglichst entspannten Gesprächsatmosphäre. Nehmen Sie sich zunächst ein kleines, unproblematisches Thema vor, um den Umgang mit der Methode zu üben. Ist der Prozess von allen Beteiligten verstanden und sind Hemmungen abgebaut, können Sie umfassendere und heiklere Themen mit der Methode besprechen.

Wenn Sie den Responsibility Process mit Ihrem Team regelmäßig anwenden, entwickeln sich Eigenverantwortung und die Fähigkeit zur Selbstorganisation bei allen Beteiligten.

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Marc Riedinger

Principal
Transformation und Innovation
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