05. März 2026
Was tun, wenn Teams nicht an Co-Kreation glauben?
Allerdings ist es nicht immer so, dass sich alle Mitarbeitenden über neu gewonnene Gestaltungsfreiheit freuen und sie im Sinne der Organisation auch nutzen. Manchmal trauen sie „dem Braten“ nicht oder glauben nicht so recht an den Mehrwert davon. Manche schauen skeptisch, andere warten ab – und einige hoffen insgeheim, dass die Führungskraft doch wieder „einfach entscheidet“.
Und ehrlich gesagt: Das ist völlig menschlich.
Viele Mitarbeitende sind jahrelang darauf konditioniert worden, Aufgaben, Entscheidungen und Prioritäten von oben zu bekommen. Co-Kreation fühlt sich da schnell nach Mehraufwand, Unsicherheit oder sogar Bedrohung an. Schließlich setzt sie Offenheit, Mut und psychologische Sicherheit voraus – und genau diese lassen sich nicht verordnen. Sie bauen auf Vertrauen auf, das erarbeitet werden will und sich bewähren muss.
Lassen sich Teams in co-kreatives Arbeiten hineinführen, auch wenn sie (noch) nicht davon überzeugt sind? Ich glaube, ja. Und meiner Erfahrung nach kommt es dabei vor allem auf folgende drei Dinge an.
Schritt 1: Fördern Sie Psychologische Sicherheit – sonst hat Partizipation keine Chance
Co-Kreation scheitert selten an fehlender Kompetenz. Sie scheitert dort, wo Menschen sich nicht sicher fühlen, eigene Gedanken einzubringen. Eine Grundlage für konstruktive Partizipation ist das wertfreie Wahrnehmen der unterschiedlichen Perspektiven. Und dafür braucht es praktische Möglichkeiten für die Beteiligten, ihre Gedanken, Ideen und Kritik äußern zu können.
Ziel ist eine Gesprächsatmosphäre, in der auch unfertige und stark kritische Äußerungen wertfrei angenommen werdenkönnen. Das funktioniert, wenn allen Beteiligten klar ist, dass eine Äußerung keine Entscheidung ist, sondern lediglich eine Sichtweise im jetzigen Moment. Die kann gefallen oder nicht, hilfreich sein oder nicht, sie ist sowieso da und wird nun auch ausgesprochen.
Im Lauf der Zeit können die Beteiligten Vertrauen aufbauen und mögliche Hemmnisse loslassen. Psychologische Sicherheit entsteht weniger durch Worte, sondern durch wiederholte praktische Erfahrung im Alltag.
Schritt 2: Hinderliche Top-down-Muster bewusst auflösen – aber behutsam
Viele Teams „glauben“ nicht an co-kreative Zusammenarbeit, weil sie gelernt haben, dass Entscheidungen am Ende doch „oben“ getroffen werden. Das ist kein Widerstand – sondern rationale Erfahrung.
Hier können kleine, konkrete Belege für eine ernstgemeinte Beteiligung helfen:
- Gemeinsam getroffene Entscheidungen wirklich gelten lassen, selbst wenn sie von der Führungskraft anders ausgefallen wären.
- Bei komplexen Themen bewusst mit partizipativen Moderationstechniken arbeiten – z. B. gemeinsames Clustern von Perspektiven oder Entscheidungsfindung über Kriterien.
- Rollen so definieren, dass Verantwortung tatsächlich geteilt wird.
Diese Momente schaffen Glaubwürdigkeit. Co-Kreation muss manchmal erst erlebt werden, bevor sie geglaubt wird.
Schritt 3: Leicht zugängliche Einstiegserlebnisse schaffen
Wenn ein Team noch wenig Vertrauen in co-kreative Beteiligung hat, würde ich davon abraten, direkt eine große Strategie- oder Veränderungsfrage gemeinsam zu bearbeiten. Die Chance, dass das schiefgeht, ist hoch. Komplexe Problemlösungen profitieren von Beteiligung und Vielfalt, aber sie brauchen auch methodische Führung und ein Gefühl von Machbarkeit.
Starten Sie daher lieber mit einem Thema, das …
- überschaubar ist,
- für das Team relevant ist,
- aber nicht existenziell wirkt.
Kleine, sichtbare Erfolge erzeugen Vertrauen – und das Team versteht: „Gemeinsam Lösungen entwickeln kann tatsächlich funktionieren (und im besten Fall auch Spaß machen).“
Fazit: Partizipation kann auch bei Skepsis gelingen
Wenn ein Team nicht an Kokreation glaubt, liegt der Grund nicht in der Natur der beteiligten Menschen. Es liegt vielmehr an erlebten Strukturen, gemachten Erfahrungen, fehlender Sicherheit oder unklaren Entscheidungslogiken.
Ein wirksamer Weg zur konstruktiven Partizipation geht über:
- Sicherheit geben, damit sich Vertrauen entwickeln kann.
- Beteiligung glaubwürdig machen, damit sich das Engagieren lohnend anfühlt.
- Erste Erfolgserlebnisse ermöglichen, um die Motivation zu stärken.
Co-Kreation ist kein Selbstläufer. Aber wenn sie gelingt, entsteht ein Arbeitsumfeld, in dem Kreativität und Zusammenarbeit gedeihen – und in dem Teams Lösungen entwickeln, die sie alleine nie geschaffen hätten.