08. Okt. 2026

CoachingCouch@Accso: Ausgabe 100 – Was wir über Zusammenarbeit, Führung und Veränderung gelernt haben

100 Ausgaben CoachingCouch@Accso – das ist eine Nummer! Wir blicken auf die letzten 99 Artikel zurück und was wir daraus gelernt haben.
2024 Marc Riedinger

Autor:in

Marc Riedinger

100 Jubiläumspost

Als wir im Winter 2024 über einen Newsletter nachgedacht haben, haben wir mit 20-25 Artikeln im ersten Jahr gerechnet. Ich war mir selbst nicht sicher, ob das neben Kundenprojekten, Beratung und Organisationsarbeit realistisch sein würde. Heute sind daraus 100 Ausgaben geworden – mit Artikeln, Podcast-Folgen, Gesprächen und vielen Themen, die mich in meiner Arbeit als Coach und Organisationsberater beschäftigen. 

Dabei ging es nie darum, möglichst viel Content zu produzieren. Wir wollten konkrete Erfahrungen, Modelle und Beobachtungen zugänglich machen und unser Wissen teilen.  

Jetzt – nach 99 (!) veröffentlichten Artikeln – blicke wir zurück, was wir in den letzten zweieinhalb Jahren eigentlich gelernt haben. 

1. Gute Zusammenarbeit beginnt nicht mit der Methode 

Wir haben über Frameworks, Modelle und Methoden gesprochen: über systemisches Denken, Metaphern für Organisationen, das TROPICS-Modell, AQAL, DSRP, BATWOVE und viele andere Ansätze. 

Was dabei immer wieder deutlich wurde: Eine Methode ist kein Ersatz für Kontextverständnis. Bevor wir nach dem passenden Tool suchen, müssen wir verstehen, worum es in einer Situation tatsächlich geht. Was ist das Problem? Wer ist betroffen? Welche Interessen und Abhängigkeiten gibt es? Was wurde bisher versucht? Und was wäre ein sinnvoller nächster Schritt? 

Modelle können Orientierung geben. Sie nehmen uns aber nicht die Verantwortung ab, hinzuschauen und unser Vorgehen an die konkrete Situation anzupassen. 

2. Zusammenarbeit entscheidet sich in ganz alltäglichen Gesprächen 

Viele große Themen beginnen erstaunlich klein: mit einem missverständlichen Satz, einem Meeting ohne klares Ziel, einem Feedback, das als Angriff ankommt, oder in der Annahme, dass alle dasselbe meinen. 

Wir haben uns deshalb mit Feedback, Gesprächszielen, Missverständnissen, Meetings, Rollen, Verantwortung, Konflikten und Co-Kreation beschäftigt. Die gemeinsame Klammer: Zusammenarbeit wird nicht nur in Leitbildern oder Workshops gestaltet. Sie entsteht in den vielen Gesprächen, Entscheidungen und Abstimmungen des Arbeitsalltags. 

Manchmal hilft schon eine einfache Klärung: Was braucht mein Gegenüber gerade – eine Lösung, ein offenes Ohr oder das Gefühl, nicht allein zu sein? Gute Kommunikation beginnt oft damit, nicht vorschnell zu handeln. 

3. Veränderung verläuft nicht gradlinig 

Transformationen folgen selten einem sauberen Plan. Fortschritte können sich wieder auflösen. Kleine Erfolge können neue Probleme sichtbar machen. Widerstand kann auftreten, obwohl alle Beteiligten die Veränderung grundsätzlich unterstützen. 

In einigen Artikel haben wir uns mit Change-Modellen, Problemtrancen, Regression, Ressourcen, Macht und den Grenzen von Methoden beschäftigt. Die wiederkehrende Erkenntnis: Veränderung braucht Richtung, aber auch die Bereitschaft, die eigene Ausgangslage regelmäßig neu zu prüfen. 

Wer Veränderung nur als Umsetzung eines Plans versteht, übersieht leicht, was im System tatsächlich passiert. Wer dagegen beobachtet, zuhört und nachjustiert, schafft bessere Voraussetzungen für tragfähige nächste Schritte. 

4. Führung bedeutet nicht, auf alles eine Antwort zu haben 

Ein weiterer roter Faden war die Frage, wie Führung unter komplexen Bedingungen gelingen kann. Dabei ging es um Moderationskompetenz, Facilitative Leadership, psychologische Sicherheit, Eigenverantwortung, Macht und die Kunst, gute Fragen zu stellen. 

Führung zeigt sich nicht nur darin, Entscheidungen zu treffen und Orientierung zu geben. Sie zeigt sich auch darin, Räume zu schaffen, in denen andere Verantwortung übernehmen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden und Konflikte bearbeitbar bleiben. 

Das ist anspruchsvoll. Denn Fragen zu stellen kann schwieriger sein, als Antworten zu geben. Moderation kann mehr Mut erfordern als Ansage. Und Eigenverantwortung lässt sich nicht verordnen. Sie entsteht dort, wo Menschen Klarheit über ihren Handlungsspielraum haben und tatsächlich Einfluss nehmen können. 

5. KI verändert unsere Arbeit – aber nicht die Grundlagen guter Zusammenarbeit 

In den vergangenen zweieinhalb Jahren sind KI und insbesondere Agentic AI zu wichtigen Themen geworden. Wir haben darüber gesprochen, wie KI Coaching und Organisationsberatung verändert, was digitale Arbeitskräfte bedeuten können und warum Change Management bei der Einführung von KI eine zentrale Rolle spielt. 

Die technischen Möglichkeiten entwickeln sich schnell. Die grundlegenden Fragen bleiben jedoch vertraut: Wofür wollen wir eine neue Technologie einsetzen? Was soll dadurch besser werden? Wer trägt Verantwortung? Welche Fähigkeiten und welche Art der Zusammenarbeit brauchen wir dafür? 

KI kann Prozesse beschleunigen und neue Möglichkeiten eröffnen. Vertrauen, Orientierung, Konfliktfähigkeit und gemeinsame Verantwortung entstehen dadurch nicht automatisch. Auch im AI-Native-Zeitalter bleibt gute Zusammenarbeit eine menschliche Aufgabe. 

6. Schreiben ist eine Form des gemeinsamen Lernens 

Unser CoachingCouch@Accso Newsletter war für mich nicht nur ein Kanal, um Gedanken zu teilen. Das regelmäßige Schreiben hat auch meine eigene Arbeit geschärft. Eine Beobachtung aus einem Workshop, ein Modell aus der Organisationsentwicklung oder eine Frage aus einem Kundenkontext wird klarer, wenn ich sie verständlich formulieren muss. 

Und natürlich entsteht Lernen nicht nur beim Schreiben. Es entsteht auch durch Rückmeldungen, Gespräche und Widerspruch. Manche Themen haben sich durch die Reaktionen und Rückmeldungen weiterentwickelt. Andere haben neue Fragen aufgeworfen, die später in einem Artikel, einem Podcast oder einem Gespräch wieder aufgetaucht sind. 

Danke für 100 Ausgaben 

100 Ausgaben wären ohne diejenigen, die lesen, zuhören, teilen, kommentieren und eigene Erfahrungen einbringen, nicht möglich gewesen. 

Danke an alle Leser:innen des Newsletters, dass Sie sich die Zeit nehmen, meine Gedanken zu lesen und eigene Impulse einzubringen. Danke an die Kolleg:innen und Gesprächspartner:innen, die ihre Perspektiven und Erfahrungen beigesteuert haben. 

Ich freue mich auf die nächsten Ausgaben, auf neue Fragen und auf weitere Gespräche über Zusammenarbeit, Führung, Veränderung und die Methoden, die uns dabei helfen können. 

Bis zur nächsten Ausgabe! 

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Marc Riedinger

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