06. März 2026
Time-to-Value: Wie KI-Agenten die Bahn-IT neu denken.
Was steckt dahinter - und was bedeutet das konkret für NE-Bahnen?
Der größte Digitalisierungsdruck liegt in operativen Bereichen, in denen schnelle Reaktionen entscheidend sind – etwa in Disposition, Ressourcensteuerung, Auftragsabwicklung und Abrechnung. Hier prallen manuelle Abstimmungen, Medienbrüche und heterogene IT-Landschaften auf hohe Anforderungen an Stabilität und Sicherheit. Gleichzeitig sind die wenigen Expert:innen, die Prozesswissen und Systemkenntnis vereinen, stark im Tagesgeschäft gebunden. Digitalisierung muss daher gleichzeitig Tempo und Betriebssicherheit gewährleisten.
KI-Agenten sind digitale „Mitarbeiter“ im Entwicklungsprozess, die Aufgaben wie Analyse, Architekturentwurf, Implementierung, Test, Dokumentation und Review übernehmen. Sie generieren nicht nur einmalig Code, sondern arbeiten in einem strukturierten Engineering-Ansatz zusammen, prüfen gegenseitig ihre Ergebnisse und sichern so Qualität und Nachvollziehbarkeit.
Wo Standardsoftware an ihre Grenzen stößt?
Standardsoftware orientiert sich in der Regel an generischen, branchenübergreifenden Prozessen. Nichtbundeseigene Eisenbahnen unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Infrastruktur-Logik, ihrer individuellen Schnittstellenlandschaft, ihren betrieblichen Prioritäten und ihren spezifischen Abläufen.
Die Folge sind fachliche Kompromisse: Prozesse werden an die Software angepasst statt umgekehrt, Workarounds entstehen, und die operative Komplexität steigt.
Nach Einschätzung von Ralf Kachel ist hier ein Paradigmenwechsel möglich. Durch den Einsatz von KI-Agenten kann Software kundenindividuell und passgenau umgesetzt werden, ohne automatisch lange Projektlaufzeiten zu verursachen. Statt einer Lösung, die nur „grob passt“, wird eine Umsetzung realistisch, die fachlich exakt zugeschnitten ist – bei gleichzeitig kurzer Time-to-Value.
Ergebnis: Passgenaue Lösungen, deutlich kürzere Time-to-Value und gesteuerte Modernisierung
Altsysteme müssen nicht zwangsläufig vollständig ersetzt werden. Sie lassen sich systematisch analysieren, fachlich strukturieren und schrittweise in moderne Architekturen überführen – kontrolliert, nachvollziehbar und deutlich effizienter als in klassischen Migrationsprojekten.
AI-Native Engineering ist dabei kein kurzfristiger Technologietrend, sondern ein struktureller Engineering-Ansatz. Er erhöht die methodische Disziplin in der Entwicklung, verkürzt die Time-to-Value, ermöglicht passgenaue, individuelle Lösungen und sichert Qualität durch systematische Prüfmechanismen ab.
Für Unternehmen mit geschäftskritischen Kernprozessen entsteht so eine belastbare Alternative zwischen einem risikobehafteten Komplettneubau und dem Festhalten am Status quo.
Hier geht es zum kompletten Interview "bahn manager" 01/2026:
2026 01 bahn manager Accso Interview mit Ralf Kachel
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