08. Jan. 2026

Von der Strategie zur Umsetzung: Ziele und Maßnahmen

Strategie-Workshops in der Praxis: Zielsetzung und Planung
2024 Marc Riedinger

Autor:in

Marc Riedinger

Strategie 4 Umsetzen

Nehmen wir an, Sie haben bereits eine Vision und Strategie ausformuliert und diese validiert. Dann stellt sich vermutlich spätestens jetzt die Frage: Wie setzen wir die Strategie um, damit wir das Zielbild (Vision) erreichen? Und vielleicht auch: Wie schaffen wir es dranzubleiben, ohne uns zu sehr vom Alltagsgeschäft ablenken zu lassen? 

Vielleicht von diesen oder ähnlichen Fragen motiviert, geschehen oft diese beiden Dinge: 

  • Kurz nach Verabschiedung von Vision und Strategie werden umfangreiche Maßnahmenlisten generiert und Zuständigkeiten verteilt. 
  • Eine langlaufende Roadmap (1 Jahr oder mehr) wird angelegt, mit manchmal immer kleinteiliger werdenden Meilensteinen. 

Meiner Erfahrung nach ist dieser Schritt zwar nachvollziehbar, aber nicht sehr erfolgversprechend. Aus der Perspektive eines Coaches würde ich vermuten, dass eine vielleicht berechtigte Sorge besteht, auf längere Sicht Fokus und Durchhaltevermögen zu verlieren und damit die Strategie nicht umgesetzt zu bekommen. Als Reaktion kann dann ein erhöhtes Kontrollbedürfnis entstehen, das sich in diesem Fall in möglichst umfassender Planung äußert. Damit wäre das akute Bedürfnis gestillt, mit dieser Unsicherheit und Sorge umzugehen. Möglicherweise handelt es sich dabei aber eher um einen psychologischen Effekt, der in der Gegenwart Beruhigung verschafft, als um einen effektiven Weg, Strategien für eine zumindest in Teilen ungewisse Zukunft umzusetzen. Anders formuliert: Anstatt ein Kontrollbedürfnis zu bedienen (erster Handlungsimpuls), könnte es effektiver sein, daran zu arbeiten, Fokus und Durchhaltevermögen zu stärken (Lösung für das wahrgenommene Problem). 

Was solche Maßnahmenlisten und langlaufenden Roadmaps oft außerdem nicht ausreichend berücksichtigen: Während an den Maßnahmen gearbeitet wird und Meilensteine erreicht werden, bewegt sich die Welt weiter. Und auch die Beteiligten lernen im Verlauf der Umsetzungszeit von meist mehreren Jahren dazu. Die Zukunft lässt sich in der Gegenwart nicht festschreiben. Was also stattdessen tun? 

Sinnvoll ist eine Umsetzungsform, die Vision und Strategie als feste Richtschnüre im Kern der Aufmerksamkeit behält und gleichzeitig flexibel genug ist, um auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können. Und praktisch wie konkret kann das folgendermaßen aussehen. 

Schritt für Schritt zur Umsetzung 

Setzen Sie sich mit den Strategie-Beteiligten zusammen und nehmen sich einen überschaubaren Zeitrahmen vor, bestenfalls zwischen 3 und 6 Monaten. Dann nehmen Sie sich die ausformulierte Strategie zur Hand und überlegen: Was können wir bis in 3-6 Monaten erreicht haben, was direkt auf eine oder mehrere Strategien einzahlt?  

Dabei geht es zunächst um eher qualitative Ziele für die nächsten Monate, noch nicht um klar umrissene Arbeitspakete. Die Diskussion auf dieser Flughöhe kann bspw. dabei helfen, Umsetzungsideen greifbarer zu bekommen und Prioritäten zu setzen, worauf Sie sich in den nächsten Monaten konzentrieren können und möglicherweise sollten. 

Haben Sie sich auf diese Ziele verständigt, fragen Sie sich für jedes Ziel: Woran können wir erkennen, dass wir das Ziel erreicht haben? Hier geht es darum, klare Erfolgskriterien abzuleiten und gleichzeitig die noch teils vagen Ziele konkreter zu machen. Versuchen Sie je Ziel etwa 3-5 solcher quantitativ messbaren Teilziele abzuleiten. Nun ist es in der Regel nur noch ein kleiner und meist leichter Schritt, planbare Maßnahmen dieser Teilziele für den vereinbarten Zeitraum abzuleiten. 

Nach Ablauf dieser Phase von 3-6 Monaten setzen Sie sich wieder zusammen und schauen, inwieweit Sie die Ziele umgesetzt bekommen haben und wie sich das auf Ihre Perspektive auf die Strategie auswirkt. Besprechen Sie die Erkenntnisse und planen die nächste Phase von wieder 3-6 Monaten. So können Sie sich zyklisch an die Verwirklichung Ihrer Vision annähern und alle paar Monate auf strategischer Ebene gegensteuern, wenn es entsprechende Erkenntnisse oder Entwicklungen gibt. 

Da es sich jeweils nur um ein paar Monate handelt, die im Blick behalten werden müssen und nicht um Jahre, fällt es oft auch deutlich leichter, Vision und Strategie im Fokus zu behalten. Wichtig ist dabei nur, dass Sie gemeinsam immer wieder überprüfen, ob die Teilziele und Maßnahmen auch tatsächlich auf eine Strategie hinwirken und damit auf die übergreifende Vision. Auch dafür ist die iterative Herangehensweise hilfreich: Sie nähern sich der konkreten Umsetzung schrittweise an und können entsprechend leicht korrigierend eingreifen. Zusätzlich kann es sehr hilfreich sein, wenn eine Person die Prozessverantwortung übernimmt und das gesamte Vorgehen entsprechend moderiert. 

Der Kreis schließt sich 

Ein Vorgehen wie dieses ist deutlich besser geeignet, langfristig am Ball und flexibel zu bleiben, als übermäßig umfangreich alles vorab zu planen. Anstatt sich (bewusst oder unbewusst) sorgengetrieben zu Beginn möglichst vollständig absichern zu wollen, entscheidet man sich hier immer wieder erneut für Vision und Strategie. Das kann sich auch positiv auf die Motivation der Beteiligten auswirken und damit auch auf ihr Durchhaltevermögen bei einem solch langlaufenden Vorhaben.  

Um genau dieses Thema dreht es sich im nächsten Artikel. Grundsätzlich haben wir aber nun den großen Bogen strategischer Zukunftsarbeit geschlagen, von der Vorarbeit, über die Erarbeitung von Vision und Strategie, ihrer Validierung, bis hin zur Umsetzung. 

Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Schritt strategischer Zukunftsarbeit? Lassen Sie es mich gern wissen! 

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