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13. Juli 2016 / von Sebastian Metz

Neuer

W3C

Meilenstein

Die Vorstellung des ersten iPhones ist bald schon 10 Jahre her. Seit diesem Zeitpunkt wuchs die Anzahl mobiler Geräte immer weiter an und damit auch die mobile Nutzung des Internets. Heutzutage ist es normal stets online zu sein, immer auf dem neusten Stand zu sein und jederzeit Google fragen zu können. Wir sind es so gewohnt, wenn nicht davon verwöhnt, dass es umso mehr weh tut, wenn wir gezwungenermaßen offline sind. Ich denke jeder hat schon mal diese Erfahrung gemacht, sei es beim täglichen Pendeln mit dem Zug, durch ausgeschöpfte Datenvolumen oder einfach wegen einer fehlenden Netzabdeckung. Wobei ein ‚offline‘-Erlebnis ja auch schon entsteht, wenn wir nur mit Edge-Geschwindigkeit unterwegs sind oder Wi-Fi-, nein Lie-Fi-Netze, nutzen, wie man sie oft in Hotels antrifft.

Im Vergleich zu vielen anderen Menschen auf der Welt (z.B. in Afrika und Indien) muss man hier jedoch von Luxusproblemen sprechen, denn 2G-Geschwindigkeiten sind für diese genauso Normalität wie teure mobile Datenvolumen.

Genau dieser Thematik versuchte man entgegenzutreten, mit der Einführung des ApplicationCaches unter HTML5. Man scheiterte kläglich. Schließlich fand nun vor wenigen Tagen das neu ins Leben gerufene Progressive Web App Dev Summit von Google statt. Progressive Web App (PWA), das ist seit Sommer 2015 das neue Schlagwort im Bereich Webentwicklung, das sich hinter CSS, AJAX, HTML5 und responsive webdesign einreiht. Gemeint sind damit Webseiten, die man sich aktiv auf den Homescreen des Endgeräts legen kann und die im Gegensatz zu einer Verknüpfung ein „App-artiges“ Verhalten aufweisen. Google beschreibt PWAs mit verschiedenen Eigenschaften, hier sind die wichtigsten:

Progressive  Jeder User kann sie nutzen, unabhängig von dessen Browserwahl.

Responsive  Sie passen sich dem darstellenden Gerät an, Desktop, Smartphone, Tablet, ..

Connectivity Independent – Mit der Verwendung von Service Workern können PWAs auch offline oder bei schlechter Netzqualität genutzt werden.

App-like – Sie fühlen sich wie native Apps an

Grundlage dieser PWAs ist eine neue Spezifikation des W3C, genannt Service Worker. Damit lässt sich das Offline-Verhalten von Webseiten steuern, indem eine Art Proxy client-seitig per JavaScript installiert wird. Das Verhalten dieses Proxys ist völlig frei vom Entwickler programmierbar. Erhaltene Responses können z.B. stets in den lokalen Cache abgelegt werden, um diese bei wiederholtem Aufruf direkt aus dem lokalen Speicher zu liefern. So kann das Übertragen des gleichen Inhalts über das Internet vermieden werden bzw. auch im Offline-Zustand die Webseite weiterhin genutzt werden. Aktualisierungen des Web-Inhalts können schließlich asynchron dem Nutzer über Einblendungen signalisiert werden. Es ist aber auch denkbar, dem User die komplette Steuerung zu überlassen, welche Seiten er offline zur Verfügung haben möchte und welche nicht. Über die „Add to Homescreen“-Funktion kann der Benutzer sich die gespeicherte Webseite schließlich für einen einfachen Zugriff außerhalb des Browsers ablegen. Startet der User die PWA bekommt er zunächst einen Splashscreen angezeigt und die Webseite erscheint anschließend in einem Vollbildmodus ohne Adresszeile.

Hinzufügen der airhorner.com-PWA auf den Startbildschirm
Hinzufügen der airhorner.com-PWA auf den Startbildschirm
airhorner.com-PWA im Vollbildmodus
airhorner.com-PWA im Vollbildmodus

Service Worker ermöglichen aber auch Push Nachrichten zu erhalten, wodurch die Grenzen zwischen PWAs und nativen Apps noch weiter verwischen. So können User ohne das Installieren einer App Push Nachrichten erhalten, um auf hilfreiche oder neue Informationen hingewiesen zu werden.
Neben diesen Möglichkeiten bestehende Webseiten erheblich zu verbessern sind PWAs auch eine mögliche Alternative zu nativen Apps. Deren Hardware-Zugriff ist zwar begrenzter, woran auch schon gearbeitet wird, dies zu verbessern, sie haben aber den großen Vorteil keine Installation zu erfordern. Eine den Wünschen entsprechende native App im jeweiligen Store zu suchen und herunterzuladen ist aufwendiger als sich das, was man schon täglich im Browser nutzt einfach auf den Homescreen zu legen.

Die Implementierung der Service Worker Spezifikation durch die Browser lässt sich auf dieser Seite verfolgen. Chrome, Firefox, Samsung Internet, Opera sowie Edge haben die Spezifikation bereits implementiert bzw. sind gerade dabei. Apple hatte sich lange nicht zu den Plänen mit Safari geäußert und nur ein „under consideration“ als Status angegeben, mittlerweile sind Service Worker aber in einem 5 Jahres Plan aus dem Jahr 2015 enthalten. Gezeigt hat sich diese Einstellung auch auf dem Summit bei dem bedeutende Vertreter aller genannter Browser anwesend waren, außer Apple. Zu empfehlen ist diesbezüglich die abschließende Podiumsdiskussion bei dem die gemeinsame Absicht bestärkt wurde, diesen Standard weiter voranzutreiben.
Alle Vorträge vom Progressive Web App Dev Summit sind auf Youtube.

 

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Sebastian Metz
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