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25. September 2012 / von Susanne Braun

MobileTech
Conference:
Top Five
Lessons Learned

Vom 03.09.2012 bis 06.09.2012  fand die MobileTech Conference in Frankfurt am Main statt. Die Autorin war dabei und hat so einige persönliche Aha-Erlebnisse gehabt. Hier sind ihre Top Five Lessons Learned:

 Abbildung: Logo der MobileTech Conference 2012 in Frankfurt

Lesson 1: UX rules!

Der Faktor, der den größten Einfluß auf den Erfolg einer App hat, ist die User Experience (UX). Glaubt man den Experten, so findet momentan ein Paradigmenwechsel bei den User Interfaces statt. Dieser ist vergleichbar mit dem Übergang von Command Line Interfaces (CLIs) zu Graphischen Benutzeroberflächen (GUIs). Prof. Henseler von SENSORY-MINDS bezeichnet die neuen touch-basierten Oberflächen daher auch als Natural User Interfaces (NUIs). Die Interaktion über Touch und Gesten ist unmittelbar und natürlich (im Gegensatz zur Interaktion über die Behilfsmittel Maus und Tastatur). In zahlreichen Vorträgen wurde darauf verwiesen, dass selbst Kleinkinder das iPad bedienen könnten:

Video: Kleinkind mit iPad

Der mobile User erwartet intuitive und selbsterklärende Interaktionsschemen. Performance ist ein weiterer erfolgskritischer Punkt, der in diesem Zusammenhang zu nennen ist.

Daher: Versetze Dich in Deine User. Bedenke zum Beispiel, dass Tablets häufig auf der Couch verwendet werden und somit zu der Kategorie der „lean back devices“ zählen. Überfordere den User nicht mit einer komplizierten Navigationsstruktur. Es gilt die Devise: Reduziere auf das, was im jeweiligen Kontext sinnvoll ist und vermeide visuelle Komplexität.  Smartphones werden typischerweise unterwegs für nur wenige Sekunden verwendet. Der Nutzer möchte nur kurz auf das Gerät schauen, um nebenbei bestimmte Informationen abzurufen. Wenn die App dann 10 Sekunden braucht um sich zu starten oder ihre Daten zu laden, dann ist sie in dem Moment schlicht unbrauchbar.

Lesson 2: Mobile Web first!

Versuche nicht den gesamten Inhalt Deines Web-Auftrittes in eine App zu packen. Es hat einen negativen Einfluss auf die User Experience, weil die App mit dem vielen Content völlig überladen wäre (siehe Lesson 1). Außerdem stellt die ideale App dem User einen Dienst bereit und hat, überspitzt formuliert, mehr zu bieten als ein bisschen Text mit Bildern (siehe Lesson 3).

Besser:  Zunächst eine mobile Variante der Site erstellen. Glaubt man den Analysten wird in nicht allzu ferner Zukunft der größte Teil des  WWW-Traffic auf mobile Endgeräte zurückzuführen sein. Ohne mobile Webseite wird man also die meisten Internetnutzer ohnehin verprellen. Auch hier gilt: Reduziere die Komplexität und Vermeide ein Übermaß an Links. Denke daran, dass Tablets beim Browsen häufig im Landscape-Modus verwendet werden. Es kann daher sinnvoll sein die einzelnen Seiten-Elemente in der Horizontalen zu arrangieren. Dies steht im Gegensatz zum Aufbau von klassischen Webseiten, bei denen man normalerweise durch den Content in der Vertikalen scrollt. Der Autohersteller Kia hat übrigens einen sehr schönen Mobile-First Webauftritt.

Abbildung: Klassisches Desktop-Webdesign

Abbildung: Tablet-optimiertes Webdesign

Lesson 3: Apps are Services!

Apps sind keine Anwendungen im klassischen Sinn. Sie sind klein, einfach, intutitv und oft auch ein bisschen verspielt. Apps sind nur dann gut, wenn sie dem User einen Dienst bereitstellen. Eine Reisführer-App wird sicherlich nicht die Killer-App sein, wenn lediglich der textuelle Inhalt der Buchvorlage in digital aufbereiteter Form angeboten wird. Vielmehr sollte die Hardware des mobilen Endgerätes sinnvoll eingesetzt werden, um einen echten Mehrwert zu erzeugen. Übertragen auf das Beispiel mit der Reiseführer-App: Mit Augmented-Reality-Technologie ließe sich das abgefilmte Kamerabild beipsielsweise um kontextabhängige Infoboxen oder Audioguides anreichern; denkbar ist auch eine Navigationsfunktion, die den User von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit lotst. Im Geschäftsumfeld bilden mobile Apps idealerweise nur einen einzigen Geschäftsprozess ab.  Zu einem guten „App-Dienst“ gehört meistens auch ein ganzes Ökosystem. Hiermiet meine ich zum Beispiel angepasste Cloud- und Backend-Dienste, aber auch stationäre Brückentechnologie, die als Bindeglieder zwischen der analogen und der digitalen Welt dienen. Diese Brückentechnologien können zum Beispiel NFC-Tags oder QR-Codes sein. Das Einlesen eines NFC-Tags an einem Kaufhaus-Produkt löst dann zum Beispiel einen Bezahlvorgang in der digitalen Welt aus, der im Anschluß bequem und ohne Anstehen an der Kasse, über das mobile Endgerät abgewickelt werden kann.

Deswegen: Überlege Dir zunächst, welchen Dienst Du deinen Usern mit einer App bereitstellen willst. Finde einen echten Mehrwert. Es hilft Dir dabei, Dich in Deine User zu versetzen und ist die Grundlage für eine gute User Experience.

Lesson 4: Testing or Die!

Ausgiebiges Testen im Vorfeld ist unabdingbar für den Erfolg einer App. Legt eine App einen Start mit miesen Reviews im App Store hin, so kann man dies später nur äußerst schwer wieder ausbügeln. Insbesondere im Android-Umfeld gibt es einen ganzen Zoo an Hardware und Betriebssystemversionen.  Man kommt nicht umhin mit den gängigsten Geräten und OS-Versionen zu testen. Bei den OS-Versionen erreicht man bei Android mit 2.2, 2.3 und 4.0 eine Abdeckung von ca. 90%.

Abbildung: Negative Bewertung im Google Play Store

Deshalb: Teste ausgiebig im Vorfeld. Ansonsten werden die User Deine Bugs finden und Deine Reviews im App-Store mutieren zum öffentlichen Bugtracking-System.

Lesson 5: Design for your platform!

Android-User reagieren im Allgemeinen irritiert, wenn sich ihnen eine App im iOS-Design präsentiert. Ein Android-User erwartet zum Beispiel, dass der Android-Back-Button wie gewohnt unterstützt wird. Zusätzliche Zurück-Buttons im Header, wie bei iOS üblich verwirren nur. Befolgt man die Android Design Guidelines werden die Navigationselemente seit Ice Cream Sandwich vornehmlich in der ActionBar untergebracht. Eine Button-Bar am unteren Ende des Screens à la iOS ist bei Android-Apps ein No-Go. Wer sich ausgiebiger mit dem Thema, insbesondere in Bezug auf Android, befassen möchte, findet im Blog von Juhani Lehtimäki einige sehr schöne Beiträge. Die Diskussion rund um Button-Bars wird ausgiebig in diesem Post dargestellt.

b

Abbildung: Android-App  im iOS-Design mit Zurück-Button und Button-Bar unten

Darum: Sorge dafür, dass sich Deine App sauber in die jeweilige Plattform integriert. Der User wird sich dann leichter in der App zurechtfinden. Du erreichst damit letzlich eine höherwertige User Experience.

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Susanne Braun
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