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13. Dezember 2019 / von Michael Lannert

Haribo macht

Entwicker froh -

IT-Tage 2019

Süßigkeitenstand auf den IT-Tagen
Michael Lannert

Wie ein Kind im Süßwarenladen

Mit diesen Worten beschrieb ich damals Tim Bölsche, wie ich mich als Quereinsteiger in der IT fühlte, weil es so viele schöne, interessante und auch verrückte Dinge zu entdecken gibt, wenn man sich zum ersten Mal mit Frameworks, Tool Chains und den vielen Möglichkeiten in der Softwareentwicklung auseinandersetzt.

Ähnlich fühlte ich mich auch am 11. Dezember, als ich das Programm zu den diesjährigen IT-Tagen durchlas. Nach einer guten halben Stunde hatte ich die Kurzzusammenfassungen aller Vorträge gelesen (minus manche Vorträge zu SQL Server und Db2, da diese mir zu spezifisch waren). Das Vortragsprogramm begann um 9:00 Uhr, mit dem Thema „Nachhaltigkeit und Bitcoin“ (Spoiler: It does not work), und endete um 17:45 Uhr, mit einem Vortrag mit dem Titel „Java Hackerin und Zwillingsmama“. Die Themen waren so unterschiedlich wie meine Erwartungshaltung und letztlich auch mein Eindruck, den sie hinterließen.

„Wir müssen erstma“ und Benutzerfreundlichkeit

In jedem Umfeld gibt es ungeschriebene Gesetze, und so auch in der IT: Agiles Arbeiten wird überall als Buzzword verwendet. Was passiert, wenn „Agil nicht hilft“, wurde von unseren Kollegen Markus Dechert und Marc Riedinger dargelegt. Mentale Fallen wie „Wir müssen erstma Infrastruktur“ bremsen die Implementierung von gewünschten Features des Kunden. Ähnliche Fallstricke müssen auch die Kunden und Endkunden selbst erfahren, wenn sich die Lernkultur nicht dem Tempo der Digitalisierung anpasst – Thema der Keynote von David Faller. Wichtig ist hier zwischen den attraktiven „sexy“ IT-Trends, und dem was Kunden brauchen, zu unterscheiden, sonst leidet die Usability. Zum Beispiel, wenn man in einem modernen, von RFID-Chips gesteuerten Parkhaus mit Metallplatten die Sensoren abdecken muss, um als Hotelgast kostenlos zu parken.

Wenn es nur gute Anleitungen und Dokumentation gäbe, die dem Nutzer hilft, das Softwareprodukt zu verstehen.

Vortrag Microframeworks auf den IT-Tagen
Michael Lannert

Spaß an Dokumentation, zu lange Testsuiten, und die Freuden des Eltern-Daseins

Wer schreibt schon gerne Dokumentation? Das „Dokumentation als Vergnügen?“ verstanden werden kann, zeigte Markus Schlichting, und demonstrierte wie AsciiDoc (oder wie er spielerisch umschrieb „Mark-Down, nur in gut“), dazu verwendet werden kann, Quelltext und Developer-Dokumentation in HTML5-, Word-, Confluence- und Wiki-Seiten zu überführen; und warum AsciiDoc seinen Konkurrenten darin überlegen ist.

Tests für die Datenbank werden stiefmütterlich behandelt, fand Thomas Koch. Also zeigte er Interessierten, wie man mit DbUnit auch Geschäftslogik von Stored Procedures auf Datenbank-Ebene testen kann. Doch wenn Tests ausufern, und das System ausreichend gewachsen ist, entstehen neue Probleme. Viele kennen vielleicht Testsuiten, die ein bis zwei Stunden laufen. Spezielle hardware-nahe Fälle in der Automobilindustrie laufen zum Teil bis zu drei Wochen – müssen aber innerhalb von 48h am Wochenende durchlaufen! Um diesem Problem Herr zu werden, entwickelten Dr. Sven Amann und seine Kollegen der Firma CQSE GmbH ein eigenes Programm, welches durch geschickte Verwendung von Tree Maps ermittelt, welche Tests von Änderungen der Code Base betroffen sind, und konnten so die Laufzeit von benötigten Tests um beeindruckende 90% verringern.

Als Vater interessierte mich schlussendlich noch der Vortrag von Martina Baumer, und wie man den Job als Softwareentwickler mit dem Erziehen von Kindern unter einen Hut bringen kann. Aus meiner Sicht ergab sich hier leider das Bild, dass Flexibilität von Arbeitszeit und Arbeitgeber nur bedingt hilft – aber ein guter Arbeitgeber ermöglicht es Eltern, einen schellen und effizienten Einstieg in die (Teilzeit-)Arbeit zu finden. Ob es eine Frauenquote in der IT geben sollte, konnte auch diesmal in einer lang gezogen Frage-Antwort-Runde wieder nicht beantwortet werden.

Ich könnte noch weitere Vorträge erwähnen, und doch habe ich nur oberflächlich an den bereits erwähnten gekratzt – die IT-Tage waren es wert, und ich kann jedem empfehlen, einen Besuch zu wagen. Um sich wieder wie ein Kind im Süßwarenladen zu fühlen.

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