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07. Juli 2020 / von Marc Riedinger

Agilität lernen.
Remote.
Für alle.

Intensivtraining für agile Teams und die, die es werden wollen

Ohne Frage: Es gibt zahllose Angebote, SCRUM zu lernen und diese richten sich in erster Linie an Entwickler-Teams, werdende Product Owner und SCRUM Master. Doch was ist mit den anderen, im Projekt Beteiligten, wie Management und Stakeholder? Wie sieht das aus, wenn die Projekt-Struktur sich organisatorisch nicht nach Lehrbuch auf ein SCRUM-Team vereinfachen lässt? Und wie lässt sich all dem in Zeiten gerecht werden, in denen die Teilnehmer*innen räumlich verstreut vor Webcams sitzen?

Agilität bedeutet wendig und reaktionsschnell zu sein, um auf eine sich dynamisch verändernde Umgebung effektiv und kreativ reagieren zu können. In diesem Sinne haben wir die aktuelle Situation als Aufforderung verstanden, eine Lösung zu entwickeln – durch die Bündelung der Expertise unserer Agilisten und der Innovationskraft von vitamin.d, sowie durch eine gesunde Portion Trotz: das muss zu lösen sein – Virus hin oder her.

Entstanden ist eine vollständige Lernerfahrung – ein intensives Training, das Theorie und Praxis auch im virtuellen Raum erlebbar macht – für alle Interessierten und Beteiligten. Und das äußerst effektiv, wie wir in der jüngsten Anwendung erleben durften. Dieses Training diente dabei zur Vorbereitung eines komplexen Entwicklungsprojekts mit fünf beteiligten Organisationen.

Wie wir auch digital Nähe schaffen? Durch Flow und Perspektivwechsel

Fokus und Gruppendynamik verhalten sich in Remote-Situationen anders als in Präsenzveranstaltungen. Die Teilnehmer*innen sind weniger vor Ablenkungen geschützt und die räumliche Abwesenheit erschwert das Team-Building. Der Lernerfolg jeder Einzelperson hängt jedoch maßgeblich davon ab, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richtet und wie konzentriert sie dies tut. Unsere Aufgabe ist es also, ein Setting zu schaffen, indem die Teilnehmer*innen ihre ganze Aufmerksamkeit dem Training widmen können und wollen.

Zitat Csikszentmihalyi

So beschreibt der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi den Zustand einer „optimalen Erfahrung“, den er Flow nennt und den wir uns als Zielbild für das Intensivtraining gesetzt haben, um möglichen Ablenkungen und Abschweifungen entgegen zu wirken.

Hat eine Sache etwas mit uns zu tun, steigt unsere Bereitschaft, ihr unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Deshalb setzen wir auf Identifikation: Wir verknüpfen die Lerninhalte mit der individuellen Interessenswelt der Teilnehmer*innen:

  • Wir holen sie an genau dem Punkt ab, an dem sie stehen, in Bezug auf Vorwissen und unter Einbeziehung der tatsächlichen, aktuellen Projektsituation.
  • Wir nutzen Storytelling: Der Wissenstransfer durch das Erzählen von Geschichten ist eine jahrtausendealte Kulturpraxis und schafft daher verlässlich die Verknüpfung von Information und persönlicher Empfindungswelt.

Im Ergebnis wird so die Aufmerksamkeit gehalten und die Lerninhalte tief verankert. Doch wie sieht das mit den Praxisanteilen des Trainings aus?

Etablierte SCRUM-Simulationen, wie das Ball Point Game oder LEGO-Konstruktionen, verlangen nach direkter Kommunikation und Nähe – beides in der aktuellen Situation und remote kaum umsetzbar. Um eine virtuelle SCRUM-Simulation zu schaffen, die agile Team-Arbeit wirklich erlebbar macht, vollzogen wir einen radikalen Perspektivwechsel und stellten das Problem auf den Kopf. Die Arbeitsthese: „Wenn fehlende Nähe aktuell das Problem ist, dann muss fehlende Nähe zukünftig eine Stärke der Lösung sein“. Was auf den ersten Blick absurd und paradox klingen mag, geht tatsächlich auf eine alte Kreativtechnik aus der Malerei zurück, für die Georg Baselitz berühmt wurde.

In unserer SCRUM-Simulation geht es darum, Selbstorganisation in Teams zu erleben, die Startschwierigkeiten dabei und das Verbessern durch kontinuierliches Lernen. Fehlende räumliche Nähe sehen wir in dem Zusammenhang nun als eine willkommene zusätzliche Herausforderung für die Teilnehmer*innen, die sich in Teams selbst organisieren lernen. Und es funktioniert. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Remote-Situation die Erkenntnis sogar vertiefen kann, dass klar strukturierte Kommunikationsrituale zur Selbstorganisation unverzichtbar sind.

Für immer remote?

Bedeutet das nun, dass wir ausschließlich auf Distanz-Coaching setzen? Ganz sicher nicht. Wie wohl die meisten Menschen vermissen wir die direkte Interaktion. Aber wir freuen uns sehr, dass wir auch in Zeiten von Corona ein qualitativ hochwertiges Intensivtraining für agile Teams anbieten können.

Mehr Informationen zu diesem und anderen Workshops und Trainings gibt es in unserem aktuellen Katalog.

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