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30. April 2014 / von Sandra Ohmayer

Informatik,

ist das nicht

langweilig?

Wer kennt das nicht? Sie treffen neue Nachbarn, lernen neue Gesichter auf einer Geburtstagsfeier kennen und kommen ins Gespräch. Irgendwann ist es dann soweit. Die Frage, die uns heute beschäftigen wird, fällt:

„Was machen Sie eigentlich beruflich?“

Wenn ich dann sage, dass ich Informatikerin bin und Software entwickle, sind die Reaktionen sehr geteilt. Oft stoße ich auf Verwunderung, Ehrfurcht aber auch Entsetzen. Im letzteren Fall kommen dann Kommentare, wie „Ist das nicht langweilig?“, „Das könnte ich nicht, den ganzen Tag nur auf den Bildschirm schauen!“, „Das ist doch ein sehr unkreativer Job!“. Dass dem nicht so ist, möchte ich Ihnen heute in diesem Blogbeitrag zeigen.

Beginnen wir doch ganz einfach mit ein paar Klischees, die meist als das Informatiker-Dasein gesehen werden:

  1. Der Hacker:

Der Hacker gehört zu einer seltenen Spezies. Er versucht von seinem Keller aus die Weltherrschaft zu erlangen, indem er alle unsere Daten klaut, Raketen umlenkt, Ihr Profil in Facebook nutzt, Kuchenrezepte und Katzenfotos löscht, Onlinerollenspielserver lahm legt und die Hintergrundfarbe der Google-Seite in Rosa ändert. Sein Arbeitsalltag besteht darin, wild Befehle in die Tastatur zu jagen bis ein Balken erscheint, der zeigt „Zugang zum System 0% abgeschlossen“. Dieser Balken signalisiert ihm, dass er sich nun zurücklehnen kann und das System für ihn arbeitet. Meist feiert er diesen Moment mit verrückter Musik, wie Klassik, Schlager oder dem Titellied von Biene Maja.

  1. Der Programmierer:

Der Programmierer wird gerne durch seine Affinität zu Kellerräumen mit einem Hacker verwechselt. Er ist jedoch grundverschieden. Sein Ziel ist es nicht zu zerstören, sondern zu erschaffen. Gerne verbringt er dafür ganze Nächte mit Kaffee und Pizza vor dem Bildschirm und sein Körper zeugt von seiner Arbeit: Augen- und Rettungsringe zieren den Programmierer. Das Ergebnis der langen Nächte ist für die Außenwelt selten schnell zu begreifen. Sei es ein Programm mit kryptischen Kommandozeilenbefehlen oder ein User Interface mit vielen durcheinander gewürfelten Anzeigen und Knöpfen, für das ein Benutzer Monate bzw. Jahre benötigt, um die Funktionsweise des Programmes in den Tiefen zu erforschen.

  1. Der Hardware- und Netzwerktechniker:

Der Netzwerktechniker gehört zu tageslichtresistenten Informatikern, da er meist durch seine langen Haare vor schädlichem UV-Licht geschützt wird. Man könnte ihn zu den Druckernomaden zählen, da er gerne mit genau solchen Geräten durch Industrieunternehmen wandert. Durch das viele Laufen erhitzt sein Körper so stark, dass er eine Vorliebe für klimatisierte Räume mit vielen blinkenden Lichtern und Kabeln entwickelt hat, um sich wieder abzukühlen und seine Augen zu normalisieren.

Wie wir sehen, ist es ein sehr verzerrtes Bild, dass man in der Außenwelt von Informatikern wahrnimmt. Aber wie passe ich denn, zudem noch als Frau, in dieses Umfeld, ohne Kommunikation nach außen und mit ständigem Blick in den Bildschirm. Stumpfsinniges Getippe soll meinen Arbeitsalltag darstellen?

Hier ist der Punkt zum Intervenieren!

Die genannten Informatiker-Typen finden sich in der Realität fast gar nicht. Nehmen wir einen normalen Softwareentwickler: Er arbeitet meist in größeren Teams, gerne auch über Ländergrenzen hinweg. Er muss daher viel mit seinen Kollegen kommunizieren, d.h. wer welche Aufgabe erledigt, wer testet die Ergebnisse, usw. Dies dient auch zur Weitergabe von Wissen untereinander. Aber er spricht noch mit ganz anderen Personen, z.B. den Fachabteilungen. Sie sind die, die gerne eine Software für einen bestimmten Zweck hätten, jedoch selbst nicht realisieren können (sei es aus fehlendem Fachwissen, oder aber auch fehlender Zeit). Hier muss sich der Informatiker in die Themen der Fachabteilung einarbeiten, um ihre Wünsche und Probleme zu verstehen. Die Umstände können sich dabei permanent ändern, sodass der Entwickler immer neue Herausforderungen angehen muss. Zu guter Letzt gibt es natürlich noch einen Vorgesetzten, z.B. einen Projektleiter, der in regelmäßigen Meetings den aktuellen Stand des Projektes erfahren möchte.

Wir sehen erstmal, der Informatiker spricht sehr viel mit verschiedenen Menschen, auch Menschentypen, sodass dieser Teil des Berufs auf keinen Fall als langweilig betrachtet werden darf. Doch wie sieht es mit dem eigentlichen Programmieren aus? Hier heißt es doch so schön klischeehaft: „Vom Kopf in die Tastatur“… Das ist es eben nicht.

Stellen Sie sich einen Architekten vor, der ein Haus plant. Er plant den Grundaufbau der Räume. Danach geht er in Details, wie beispielsweise die Anordnung der Sanitärausstattungen erfolgen soll. Ist er zudem noch Innenarchitekt, definiert er die Farben von Böden, Wänden, Treppen und gestaltet ggf. sogar den Garten. Im Allgemeinen bezeichnet man seinen Beruf als kreativ und abwechslungsreich. Ich denke, das sehen Sie genauso. Nehmen wir jetzt aber im Vergleich einen Softwarearchitekten. Dieser plant ebenso den Gesamtaufbau einer Software und geht dann ins Detail der Unterfunktionen, wie z.B. einzelne Benutzermasken und die dahinter ausgeführten Funktionen. Er macht also eine ähnliche Arbeit, nur im technischen Umfeld. Jetzt sagen Sie vielleicht, ein Plan ist kreativ ok, aber die eigentliche Umsetzung doch nicht? Das stimmt leider nicht, da im Gegensatz zum Aufbau einer Wand oder eines Dachs in der Programmierung vielfach keine Standards existieren. Sie müssen neue, oft kreative Lösungswege in verschieden Umgebungen und Sprachen finden.

Ich hoffe mit meinem Ausflug in die Klischees und eigentliche Arbeit eines Entwicklers konnte ich etwas mehr verdeutlich, dass dieser Beruf alles andere als unkreativ ist. Aber das wissen fleißige Leser des Accso-Blogs ja bereits! 😉

Autor

Sandra Ohmayer
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