08. Juni 2017 / von Claus Bergmann, Mike Birkhoff

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Accsonaut

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Hackonaut!

Hacken bis der Arzt kommt!

Wer an Hessen denkt, denkt vielleicht nicht automatisch an Darmstadt. Vielleicht zu Unrecht, denn dieses Städtchen lädt an sonnigen Tagen nicht nur durch die Mathildenhöhe zum draußen sein ein, sondern bietet auch durch verschiedenste Parkanlagen zahlreiche Ausreden, frische Luft zu schnappen. Da dies allerdings ein Blog-Beitrag über den alljährlichen Hackathon von Accso ist, vergruben wir uns lieber für zwölf Stunden im Kellerlein und programmierten irgendetwas. Komplett irgendetwas ist allerdings nicht ganz richtig, denn das diesjährige Thema lautete „Schöner Wohnen“ und die Entwicklungen mussten demzufolge dann doch irgendetwas mit schöner Wohnen zu tun haben. Da wir allerdings keine Inneneinrichter sind und Darmstadt keinen IKEA hat, lautete das inoffizielle Thema „Smarter Wohnen“. Das kann man schließlich auch programmieren.

Um den Blicken neidischer Kollegen zu entrinnen, die sich nicht von ihren eigentlichen Projekten losreißen konnten, wurde vorrübergehend der Keller eines Co-Working Office in der Nähe der Darmstädter Niederlassung angemietet.

Dort gingen dieses Jahr sieben Teams mit unterschiedlichen Ideen an den Start, um sich den ganzen Tag ohne Rücksicht auf Code Reviews oder Wartbarkeit kreativ austoben zu können. Als kleiner Ansporn winkte sogar eine Siegerehrung für die herausragendsten Projekte.

Nachdem sich also begrüßt und die Laptops aufgeklappt wurden, herrschte eine konzentrierte Stille im Raum. Als Nervennahrung dienten faustgroße, hausgemachte Cookies. Aber hiermit genug zur Einleitung – schließlich sind die entstandenen Projekte das Herzstück dieses Beitrags und diese werden jetzt erstmal vorgestellt.

Hackathon-SmartDesk
Smart-Desk – Personalisierte Höhe

Höhenverstellbare Schreibtische bieten denjenigen mit nicht allzu viel Sitzfleisch eine willkommene Abwechslung beim Arbeiten. Allerdings besteht die Gefahr, dass andere Kollegen die eigens mühevoll ausgelotete Höheneinstellung einfach nicht zu würdigen wissen und diese verstellen. Da Justieren Zeit kostet, wäre ein Tisch der sich die Lieblingshöhe merkt, natürlich smart. Also wurde kurzerhand der Schreibtisch durch den „Smart“-Schredder gedreht.

Mithilfe von RFID/NFC-Transpondern, die bequem in jede Tasche passen, sollten Nutzungsprofile der Mitarbeiter hinterlegt werden.  Nach erfolgreicher Anmeldung mit dem Transponder würde der Motor des Schreibtisches angesteuert und der Tisch auf die persönliche Höhe gefahren. Ein Hoch auf Arbeit 4.0!

Smart-Desk – Freier Platz

Da der moderne Software-Engineer selten lange Zeit an einem Ort verweilt, bieten flexible Arbeitsplätze den Vorteil, dass Teams schnell zueinander finden können und auswärts arbeitenden Kollegen keine Plätze belegen, die nicht genutzt werden – Stichwort Flex-Büro. Jedoch entsteht dadurch die tägliche Frage, wo genau denn ein Arbeitsplatz frei ist. Gegebenenfalls erfordert dies sogar die kurze Absprache mit Kollegen und resultiert in zeitfressenden Gesprächen.  Getreu dem Motto „Schöner Smalltalk vermeiden“ bietet diese Variante des Smart Desk die Möglichkeit sich mithilfe eines RFID-Transponders an einem Tisch anzumelden und diesen so zu belegen („Virtuelles Handtuch auf der Sonnenliege“). Die Mitarbeiter könnten dann bequem vor Arbeitsbeginn einsehen welche Schreibtische noch frei sind und geradewegs dorthin gehen, ohne viele Worte verlieren zu müssen.

 

Smarter Parkplatz

Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, muss ab und an schmerzlich feststellen, dass der frühe Vogel nicht unbedingt den Wurm aber den Parkplatz kriegt. Da man als gesitteter Mensch sein Auto jedoch nicht einfach mitten auf der Straße stehen lassen kann, muss man sich wohl oder übel um einen Ausweichparkplatz kümmern. Spätestens zu diesem Zeitpunkt denkt man sich, „Hätte ich das gewusst, wäre ich mit der Bahn gefahren“. Also wurde „Schöner Wohnen“ um „Schöner Parken“ erweitert, um den Mitarbeitern bei genau dieser Entscheidung zu helfen. Da ein paar Buzzwords natürlich nicht fehlen dürfen, lieferten wir für dieses Projekt gleich zwei: Realtime, Internet-of-Things (IoT) und die Cloud. Der Status der Parkplätze soll in Echtzeit in der Cloud gespeichert werden, so dass jeder Mitarbeiter zu jedem Zeitpunkt sich über die Verfügbarkeit informieren kann. Die hardware-seitige Realisierung erfolgte mit Hilfe eines Ultraschallsensors, der anhand einer Abstandsmessung den Status des Parkplatzes liefert. Der IoT-Sender Pycom LoPy sendete diese Information an eine Cloud-Datenbank. Die Visualisierung erfolgte durch die Implementierung einer Cross-Platform App mit dem Framework Ionic.

Smarter Blumentopf

Folgendes Szenario: Man bekommt eine Blume von den Eltern geschenkt, eine Woche später ist die Pflanze tot und die Eltern enttäuscht. Pflanzen brauchen Wasser zum Glücklichsein, andernfalls züchtet man sich lediglich einen Komposthaufen im Büro oder Wohnzimmer heran. Bei dem ganzen Alltagsstress geht dies allerdings oftmals unter. Würde man seiner Pflanze aber nur den Bruchteil an Aufmerksamkeit schenken, wie dem Smartphone, sollte das Problem schnell gelöst sein. Um toten Pflanzen und enttäuschten Eltern vorzubeugen und gleichzeitig die Allgegenwärtigkeit von Smartphones auszunutzen, wurde der smarte Blumentopf ins Leben gerufen. Dieser verfügt über einen Feuchtigkeitsmesser, welcher mit einem Adafruit Feather HUZZAH verbunden ist. Dieser Controller wurde über WLAN an den Dienst Pushover angebunden. Sollte die gemessene Feuchtigkeit nun einen kritischen Wert unterschreiten, verschickt der Blumentopf eine Benachrichtigung an ein registriertes Smartphone. Als kleines Gimmick bedankt sich die Pflanze im Anschluss auch für die Zuwendung.

Team Accsonauten – Pew Pew Pew

Da man als IT‘ler viele wichtige Sachen im Kopf haben sollte, muss man an manchen Ecken und Enden sparen, oder am besten Manches gleich gedanklich auslagern. Zum Beispiel, welche Kollegen an welchen Projekten arbeiten. Um die dafür belegten grauen Zellen freizugeben, wurde kurzerhand eine SmartTV-App geschrieben, welche alle Mitarbeiter anhand ihrer Projekte gruppiert und anzeigt. Getreu dem Firmenmotto navigieren die Mitarbeiter als Astronauten ihre Projekte in Form von Raumschiffen sicher über den Bildschirm. Dort sind sie allerdings zahlreichen Gefahren ausgesetzt, wie etwa Zeitdruck im Projekt, kranke Mitarbeiter oder das gefürchtete Urlaubsloch. Mit diesen Gefahren gilt es jedoch mithilfe von schweren Lasergeschützen kurzen Prozess zu machen. Bis jetzt wurde jedes Projektrisiko erfolgreich exterminiert.

Voll auf die Drölf

Im Rahmen der Renovierungsarbeiten in der Darmstädter Niederlassung wurden einige Abschnitte der Büros mit magnetischer Tapete versehen. Nachdem einige Kollegen ihre Mittagspausen damit verbrachten, magnetische Gegenstände an die Wand zu werfen, wollte man diesen Kollegen einen Sinn dafür geben. Daraufhin wurden Zielscheiben ausgedruckt und an die Wand geklebt. Da in 2017 aber niemand mehr Lust hat Punkte im Kopf zu addieren, kam schnell der Wunsch nach einer automatisierten Lösung auf. Ein perfektes Projekt für den diesjährigen Hackathon!

Auf technischen Seite kommt hier ein Raspberry Pi im wahrsten Sinne des Wortes ins Spiel, allerdings inklusive Kameramodul. Dieses dient dazu, mithilfe des OpenCV-Frameworks die Punkteberechnung per Computer Vision zu automatisieren.
Die Pläne für ein unternehmensweites Ranking stehen auch schon. Die maximal erreichbarere Punktzahl beträgt Drölf, allerdings ist von keinem Kollegen bekannt, jemals diese Anzahl an Punkten erreicht zu haben…

KNX

Da Heimautomatisierung immer mehr im Kommen ist, durfte ein Projekt aus diesem Bereich auf dem diesjährigen Hackathon nicht fehlen. Klassische Lichtschalter sind so 2016, daher muss der Lichtschalter von 2017 natürlich mindestens ein Display haben. Mithilfe von OpenHAB wurde so ein digitaler Dimmer verbaut, der bei voller Helligkeit das Accso Logo präsentiert. Die zugrundeliegende Hardware wurde selbst zusammengeschraubt. Dieses Projekt bildet zudem den Grundstein für kommende Abschlussarbeiten bei Accso, denn wer will heutzutage noch normale Lichtschalter…

Voting

Nach circa zehn Stunden Hackathon mussten die Teilnehmer den Grundstein für eine ausgewogene und vitalisierende Ernährung legen, weshalb das Ende des Tages mit vier Blechen Pizza gefeiert wurde. Anschließend wurde geheim abgestimmt, wer denn nun der glorreiche Sieger des Tages sein sollte. Diesem gebührten ewiger Ruhm und drölf Ehre.

Jeder Teilnehmer durfte für zwei Projekte stimmen. Das Projekt mit der meisten Stimmzahl gewann.

And the winner is…

Mit 10 von 15 möglichen Stimmen setzte sich das Ein-Mann-Team des smarten Blumentopfes gegen die anderen Projekte durch. Vermutlich hat Gewinner Jens hier einen wunden Punkt getroffen.

Da man allerdings Ruhm und Ehre nicht so schön ins Zimmer stellen kann, wurden auch physische Preise verliehen. Der erste Preis war die motorisierte Variante der klassischen Murmelbahn mit einer, laut Verpackung, Aufbauzeit von drei Stunden. Oder in unserer Zeitrechnung: zweimal Pflanze gießen.

Der zweite Platz ging an das Projekt der Accsonauten, die als Vierer-Gruppe einen ferngesteuerten Ford Mustang sowie eine kleine Drone erhielten. Beide bereits fertig aufgebaut – Batterielaufzeit: 1/2 mal Pflanze gießen.

Da nun Jens‘ Beschäftigung fürs Wochenende feststand, machten sich die Teilnehmer auf den Nachhauseweg um ihre Preise auszuprobieren oder dann doch endlich das schöne Wetter in Darmstadt genießen zu können.

Ein schöner Tag mit viel Spaß und vielen kreativen Projekten neigte sich somit dem Ende. Wir freuen uns schon auf den nächsten Hackathon 2018.

Autoren

Mike Birkhoff
Mike Birkhoff
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