Thilo Schmülgen/TH Köln

17. November 2020 / von Axel Burghof

CoCo.study

feiert

iteration

#1 hybrid

Kreativ-Studiengang „Code & Context“ startet mit hybrider Eröffnungsfeier ins zweite Jahr

 

Prominente Glückwünsche

Sie möchten Designer, Entwickler oder Gründer werden und mit ihren digitalen Produkten die Welt ein klein wenig besser machen – die Studierenden von Code & Context (CoCo) an dessen Standort Schanzenstraße der TH Köln.

Mit einer schicken Eröffnungsfeier zu „iteration #1“ geht die TH Köln mit ihrem erfrischend anderen Studiengang in die zweite Runde, will heißen: Zum zweiten Mal gehen Erstsemester an den Start, während die 2019er „Erstis“ ins noch jungfräuliche dritte Fachsemester einziehen. Neben Präsident Prof. Dr. Herzig und Dekan Prof. Dr. Kohls wusste auch die Politik das Engagement von Kollegium und StudentInnen zu würdigen – mit Grußworten von Pinkwart, Reker und der NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft.

NRW-Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen gratuliert vor geladenen Gästen - an der Rückwand die remote teilnehmenden StudentInnen
NRW-Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen gratuliert vor geladenen Gästen - an der Rückwand die remote teilnehmenden StudentInnen
Thilo Schmülgen/TH Köln

Das Foto  gibt einen Eindruck vom industriellen Flair der Räumlichkeiten in der Kölner Schanzenstraße. Besonders lobten die RednerInnen die Verknüpfung verschiedener, hochaktueller Qualifikationen und die kurze Zeitspanne von der Bewilligung der Fördergelder bis zum laufenden Lehrbetrieb. 

 

Praxis großgeschrieben

Beim Eintritt erhielten Gäste einen elektronischen Abstandswarner – eine scheckkartenkleine Platine mit Sensorik, Leuchtdiode und Brummer, die bei Nichteinhaltung des AHA-Abstands zu anderen Teilnehmern mit rotem Blinken und Brummen darauf hinweist, doch einen Schritt zurück zu treten. Diese prototypische Produktentwicklung war Teil des Unterrichts und steht stellvertretend für den hohen Praxisanteil dieses Studiengangs.

 Der Prüfungsordnung nach handelt es sich um einen Bachelor-Studiengang an der Kreuzung von Produktdesign und Informatik. Im „Inneren“ sind den als wichtig erachteten Themen von vier Fachrichtungen jeweils zweiwöchige Unterrichtsblöcke eingeräumt. Jeder Block enthält sowohl theoretische, als auch einen begleitenden, praktischen Anteil.

Abstandswarner Gimik zur Eröffnungsfeier
Axel Burghof

Geprüft wird die erfolgreiche Beschäftigung mit dem jeweiligen Thema am Ende jedes Blocks. So gelingt eine tiefgreifende, und selbst motivierte Beschäftigung mit den teils komplexen Inhalten:

„Ich bin sooo froh, hier lernen zu dürfen; ich wollte kein anderes Studium mehr machen. In der Ausbildung vor meinem Studium lernte man, um die Prüfung zu bestehen. Hier setzen wir das Gelernte sofort praktisch ein. Das motiviert ungemein und erleichtert das Verständnis.“

Kommentar eines Studenten am Rande der Veranstaltung

Dabei sind die Themenblöcke der Fachrichtungen – gemäß Aufstellung unter https://coco.study/handlungsfelder/ genannt Handlungsfelder – so verzahnt, dass sich einerseits in jeder Richtung ein Fortschritt ergibt, wie man es vom Studium mit wöchentlichem Stundenplan kennt, andererseits die Kompetenzen über die Zeit gut ergänzen und aufbauen. So lernen die Studenten einerseits Software Craftsmanship, also das Handwerk zur Erstellung digitaler Produkte, andererseits eine effektive Produktgestaltung sowie eine teils kritische Folgenabschätzung von Produkten.

Welche Rolle spielt Accso dabei?

Wie gesagt legt die TH Köln mit ihrem Studiengang Code & Context besonderen Wert auf praktische Erfahrungen. Auch wenn manche beteiligten Lehrkräfte und Professoren von eigenen Erfahrungen aus einer Tätigkeit im IT-Geschäft profitieren, so freuen sich doch alle über aktuelle Erfahrungen aus erster Hand – sprich von aktiven Mitarbeitern befreundeter IT-Unternehmen. Als glücklicher Zufall erwies sich, mit einem/r der CoCo-ProfessorInnen vor dessen Hochschultätigkeit in einem IT-Projekt gearbeitet zu haben. Daraus entstanden verschiedene Informatik-Praxisprojekte am Hochschulstandort Gummersbach. Nun also Code & Context: Schon bei den Vorbereitungen zum Inhalt der Coding-Orientierten Themenblöcke waren die langjährigen sowie aktuellen Erfahrungen aus unterschiedlichen IT-Projekten ein wertvoller Beitrag. Vielmehr willkommen ist allerdings die Beisteuerung konkreter Lehrveranstaltungen, was im Falle eines Vortrags zu Refactoring sowie in einer Ein-Tages-Veranstaltung zur Wahl geeigneter Plattformen und Infrastruktur gelang.

Es ist famos mitzuerleben, wie im vorliegenden Studiengang durch die vertrauensvolle und agile Zusammenarbeit von Lehrkräften und IT-Professionals die Inhalte eines Unterrichtsblocks just-in-time entstehen. Im Beispiel hatten die für den Unterrichtsblock Verantwortlichen verschiedene IT-Partner eingeladen, bei der Umsetzung des Themenkatalogs in konkrete Lehrveranstaltungen mitzuwirken. Per Videokonferenz stimmten wir ab, wer welchen Part übernimmt. Ein Kollege von früheren Hochschulaktivitäten am Campus Gummersbach teilt die Vorliebe für Infrastruktur- und Plattformthemen. Gemeinsam sagten wir zu, den Studenten an einem Tag die anforderungsgerechte Auswahl von Infrastruktur und Plattform näher zu bringen. Code & Context vertraut auf eine hohe Eigenmotivation und die aktive Erarbeitung von Inhalten durch die Studierenden. Deshalb ist weder erforderlich noch wünschenswert, die Inhalte „vorzukauen“. Stattdessen konnten wir uns darauf beschränken, in kurzen Impulsvorträgen aus eigenen Erfahrungen zu berichten und das Themenspektrum zu vermitteln.

Erarbeitung von Inhalten durch die Studierenden erleichtert Motivation und Verständnis

Die Aufgabe des betreffenden, zweiwöchigen Unterrichtsblocks bestand für die Studenten des zweiten Semesters darin, einen einfachen Raumbuchungsservice zu entwerfen und umzusetzen. Im praktischen Teil ließen wir deshalb alle ihre bevorzugte Plattform auf ein Bord tragen. Dank der aktuellen Möglichkeiten zur Remote-Zusammenarbeit erhielten so alle einen Überblick, welche Erfahrungen oder Vorlieben im Team schlummern. Nach kurzer Abstimmung per Mauszeiger waren schnell vier Plattform-Kandidaten identfiziert, die am Nachmittag in Übungsgruppen verprobt wurden. Die Übungsgruppen organisieren die Studenten selbst auf einem eigenen Server. Hier hat jede Gruppe ihren eigenen „Raum“, wo sich die „Fans“ einer bestimmten Plattform über Audio, Chat und Screensharing zusammen einer Lösung nähern. Als Betreuer können wir „an den Räumen vorbeigehen“, um uns kurz einen aktuellen Stand berichten zu lassen und Fragen zu beantworten.

Kleine Anekdote am Rande: Recht schnell mussten die Innovatoren eines JavaScript / TypeScript / Node-basierten Service meinem Kollegen Recht geben, dass diese Plattform im Backend aktuell noch einige Lücken gegenüber länger etablierten Plattformen aufweist. So ergab sich dann ein zweites Java / Spring Boot Lager – neben einem Dritten mit der Sprache Elixir.

Den StudentInnen sind diese Beiträge aus der Praxis nach eigener Aussage sehr wichtig. Entsprechend organisieren sie selbst abendliche Remote Meetups, wo sie mit den richtigen Fragen schon mindestens eine amerikanische Koryphäe des Software Engineering begeistern konnten. Aber auch Erfahrungen von Accso aus einem Großprojekt führten zu einem ungeplant langen Austausch. Zum ersten Unterrichtsblock Advanced Clients im dritten Fachsemester durfte Accso über die Multiplattform-Produktentwicklung bei ShareMate berichten. Mit ihren vielen Fragen bestätigten die StudentInnen das hohe Interesse an den vorgetragenen Erfahrungen.

Im Nachgang zum ersten Corona Semester überraschte die Hochschule mit einer Einladung zum Interview über die rein virtuelle Unterrichtung / das Home Schooling am Beispiel des Themenblocks Application Design – wie alles bei CoCo.study eine pragmatische Angelegenheit. Gesprächsthema war unter anderem die Relevanz eines solchen Studiengangs für IT-Dienstleister wie Accso. Das komplette Interview gibts unter https://www.th-koeln.de/hochschule/webinterview-application-design_76008.php

Beidseitiges Lernen

Die Zusammenarbeit mit Studenten ist definitiv ein Highlight und eine willkommene Abwechslung zu meist langwährenden IT-Projekten. Lerneffekte sind auf beiden Seiten zu spüren: Von jedem Termin, jeder Veranstaltung an der Hochschule nimmt man auch als erfahrener IT-Professional wertvolle Inspirationen mit in die Projektarbeit. So freuen wir uns auf weitere spannende Veranstaltungen mit Code & Context, Informatik am Campus Gummersbach und der TH Köln. Wer sich für Gestaltung und Inhalte des Studiengangs informieren möchte, findet zum Beispiel die Liste der Blockunterrichtsthemen unter https://coco.study/timetable/. Weitere Informationen zur Produktentwicklung von Accso finden sich unter https://sharemate.app/.

Mock-Up der Sharemate App

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