Kay Dörnemann

27. März 2018 / von Sven Euting

Da fehlt

doch was –

Digital

Designer

Worin die INformatik dem Bauwesen hinterherhinkt

Design durch Technologie

Der Stift in meiner Hand ist ein denkbar simples Produkt. Kappe auf, Tinte aufs Blatt, Kappe zu. Die Software, die wir jeden Tag schreiben, ist hingegen hoch komplex. Die Codezeilen verarbeiten Bankbewegungen, steuern die Produktion von Autos oder verwalten ein ganzes Krankenhaus. Dennoch hat mein Stift im Gegensatz zu einem Großteil der Software in seiner Entstehung eine besondere Aufmerksamkeit genossen: Er wurde minutiös auf die Bedürfnisse des Kunden hin designt.

Wie hätten wir, als Techniker in Bits und Bytes, wohl einen Stift gebaut? Ganz klar: Anforderungen vom Kunden aufnehmen – der Kunde weiß schließlich, was er braucht! Passendes Framework zusammenstellen – es existiert sicher irgendwo schon ein Gefäß, das schreibfähige Flüssigkeiten aufnehmen kann. Punkt für Punkt die Abnahmekriterien abarbeiten – die Dokumentation, wie man den Stift einsetzt, ist für die Abnahme schließlich von besonderer Bedeutung.

Stift auf Tastertur
Franziska Leis

Das Ergebnis ist garantiert eine vollständige Dingwerdung der Spezifikation und dennoch wäre die Ähnlichkeit zu einem normalen Stift wohl marginal. Warum? Die Gestalt unseres Stiftes entsteht im Herstellungsprozess, ausgehend von Technologie. Ich kann nur mutmaßen, wie der Digital Designer vorgegangen wäre. Sicherlich hätte er nicht mit der Produktion begonnen. Vielleicht wäre die erste Frage gewesen ob der Stift für Links- oder Rechtshänder sein soll

Kim Lauenroth erzählt über Digitalisierung
Franziska Leis

IT Needs Design

Es gibt Fahrzeugdesign, Produktdesign, Sounddesign. Und Digital Design? Da fehlt eine Disziplin in der Informatik, erklärt uns Dr. Kim Lauenroth in seiner Auftaktrede zur AccsoCon. Im Bauwesen ist es die Architektur, die idealerweise Kundenbedürfnisse in Gebäudeform bringt. Ingenieure füllen diese Gebäudeform dann durch technisches Wissen aus. In der Informatik hingegen werden die Disziplinen Design und Technologie nicht grundlegend unterschieden. Aber Moment – die IT hat doch Architekten, denke ich. Leider ist derselbe Begriff in unserem Feld anders: Ein Software-Architekt fokussiert Technologie, der Gebäude-Architekt geht vom Menschen aus.
Hinkt die Bauwesen-Metapher also? Es fehlt das eigentliche Pendant zum Architekten und genau diese Lücke will Herr Lauenroth mit der Rolle des Digital Designer schließen.

Digital Designer

Dr. Lauenroth lobbyiert leidenschaftlich für den Digital Designer. Dabei geht es ihm gleichermaßen um die Abgrenzung einer professionellen Rolle und um die Schaffung einer neuen Fachdisziplin. Die Kompetenzen des Digital Designers sollen sich dabei auf drei Säulen gründen: Materialkunde, Gestaltung und Querschnittskompetenz. Brutal verkürzt übersetzt sich Materialkunde in Technologiewissen, Gestaltung in Designwissen und Querschnittskompetenz in Prozesswissen.

Mein Eindruck: Der Digital Designer ist ein fehlendes Puzzlestück in der Digitalisierungswelt und dieses Puzzlestück hat gerade Namen und Profil bekommen. Die Informatik baut Produkte, die hundert Mal komplexer als ein Stift sind. Unsere Produkte betreffen mehr Menschen als jedes Gebäude. Wieso hinken wir also in Sachen Gestaltung hinterher?

Herr Lauenroth, schreiben Sie mich ein!

Hier geht es zum dritten Teil der siebenteiligen Reihe >

Twitter#AccsoCon Accso#Digitalisierung

Autor

Weitere Artikel

Das könnte Sie auch interessieren