4Max/shutterstock.com

26. September 2013 / von Prof. Dr. Markus Voß

Accso-Workshop

2013 –

Agile

Transformation

Agile Transformation – unter diesem Motto stand der diesjährige (der dritte jährliche) Accso Workshop. Am 30. August traf sich das ganze Accso Team im Stromberg zu einem Tag mit informativen Vorträgen, spannenden Diskussionen und einer interessanten Gruppenarbeit als Abschluss. Am Abend stießen dann traditionsgemäß die Partner und Familien dazu und wir verbrachten ein paar schöne gemeinsame Stunden beim Abendessen und später an der gut bestückten Bar. Mehr oder weniger gut ausgeschlafen ging es dann am nächsten Morgen zum gemeinsamen Team-Event – dazu aber später mehr. Nun zuerst zum Workshop.

Freitag, 30. August – Der Workshop

Agile Transformation: Was bedeutet das für uns?

AW VossIch selber habe zu Beginn eine kleine Einführung in das Thema gegeben: Wo stehen wir als Accso mit unseren Projekten und unserer Vorgehensweise der Beschleunigten Softwaretechnik (BeST) im Bezug auf agiles Projektvorgehen generell? Und was bedeutet agile Transformation für uns, für unsere ganze Branche und für unsere Kunden?

 

 

Architektur – ist das nicht das Gegenteil von Agilität?

AW TilkovIm Anschluss berichtete uns Stefan Tilkov von innoQ als erster Gastredner von seinem Verständnis von agiler Architektur. Zu Beginn streifte er nur kurz ein paar der inzwischen hoffentlich allgemein akzeptierten Wahrheiten über agile Architektur: Dass Architektur natürlich eine wesentliche Rolle auch in agilen Projekten spielt, dass die Rolle des Architekturkümmerers natürlich im Team besetzt sein muss und dass es bei der Dokumentation vor allem um das Festhalten der Entscheidungen und um Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit geht.

Ganz im Stil des agilen Manifests nannte er daraufhin die fünf aus seiner Sicht wichtigen Leitlinien agiler Architektur:

  • Conscious trade-offs over emerging architecture
  • Documented rationale over ad hoc decisions
  • Design for replacement over design for re-use
  • Sustained changeability over easy initial development
  • Simplicity over fast delivery

Interessant war dann auch die Feststellung, dass Größe der Feind Nr. 1 für Agilität ist und dass es darum entscheidend ist, in einer sehr frühen Projektphase das zu entwickelnde System in möglichst unabhängige handhabbare Teile zu zerlegen und diese wie eigene Projekte zu entwickeln, wobei folgende Grundsätze gelten sollten:

  • Separate (redundant) persistence
  • Separate logic, domain models &implementation strategies
  • Separate UI
  • Separate development & evolution
  • Autonomous operations
  • Limited interaction with other systems

Und zum Schluss ging es noch um Geschwindigkeit. Stefan Tilkov betonte hier die Wichtigkeit einer möglichst schnellen und reibungsfreien Produktion durch weitgehende Automatisierung von Test, Build und Deployment, denn nur so könne effektiv die Brücke zwischen dem Entwicklungsprozess und der Architektur geschlagen werden.

Überleben im Wirtschaftsdarwinismus: Agilität ist nur ein Anfang

AW FriedrichsenAls nächster externer Redner übernahm Uwe Friedrichsen von CodeCentric. Er spannte den Bogen über das Thema Agilität hinaus und stellte dazu die Frage, was überhaupt benötigt wird, um als IT- Nutzer im Wirtschaftsdarwinismus überleben zu können. Es überlebt der, der sich am besten anpassen kann, d.h. es gilt schnell und flexibel zu werden. Aber was heißt das für die IT bzw. IT-Verantwortliche?

Zuerst einmal stellte er dazu fest, dass die IT selber ein Schlüsselfaktor für Unternehmen ist, um im Wettbewerb zu überleben. Dabei seien aber drei Dinge vor allem verantwortlich dafür, dass heutige IT üblicherweise noch nicht schnell und flexibel genug ist:

  • Ein fehlender ganzheitlicher Blick über die verschiedenen isoliert durchaus hochgradig spezialisierten und optimierten Einzeldisziplinen der IT hinweg
  • Die lediglich rudimentäre Verbindung dieser Disziplinen über Artefakte
  • Die Vermeidung von Fehlern als primärer Treiber

Um hier einen Zielzustand mit hoher Flexibilität und gleichzeitig hoher Zuverlässigkeit sowie kurze Zyklen und kontinuierlichen Output zu erreichen, reiche Agilität alleine nicht aus. Uwe Friedrichsen fordert für sein Zielbild „Darwinistische Softwareentwicklung“ noch verschiedene weitere Bestandteile. Neben Agile sind das Lean, DevOps, Continuous Delivery, Feature Flow, Cloud Computing, Software Craftsmanship und systemische Optimierung. Nur wenn alle diese Aspekte in den Bereichen Prozess, Organisation, Infrastruktur und Menschen angemessen berücksichtigt werden, wird die IT wirklich schnell und flexibel. Und das führt zu Herausforderungen an alle genannte Bereiche:

  • Die Auflösung der starken Trennung der Disziplinen im Bereich der Prozesse
  • Die Etablierung bereichsübergreifender Zusammenarbeit im Bereich der Organisation
  • Konsistente Automation im Bereich der Infrastruktur
  • Professionalisierung (Excellence) im Bereich der Menschen

Verteiltes Arbeiten in agilen Projekten

AW DechertMarkus Dechert – beim Workshop noch ganz neu bei Accso und zuvor als Scrum-Master in einem großen Entwicklungsprojekt bei der Ikano Bank tätig – sprach im Anschluss über seine Erfahrungen zur Arbeit in größeren, verteilten und agilen Teams. Im konkreten Fall durchlief das Team ein Wachstum mit am Ende mehreren Scrum-Teams, verteilt über Deutschland und Schweden sowie mehreren POs aus verschiedenen Ländern. Als Effizienz-Killer haben sich dabei insbesondere folgende Punkte erwiesen:

  • Abstimmung eines Teams mit mehreren POs (Einbruch der Velocity auf 1/3!)
  • Keine klare Trennung von PO und SM
  • Team-Mitglieder als Spiegel-POs (was ja häufig sogar als positives Pattern empfohlen wird)
  • Große räumliche Verteilung, insbesondere auch zwischen Team und PO

Die Erfahrung mit einem Scrum-of-Scrums war, dass das zwar grob das Projekt zusammengehalten und eine gewisse Effizienz gesichert hat, dass es andererseits aber insbesondere wegen der räumlichen Verteilung alles andere als optimal war und nicht wirklich gut skaliert hat.

Markus Dechert benannte als wirkliche Effizienz-Retter lediglich zwei Möglichkeiten:

  • Die Schaffung eines gesamtverantwortlichen Chief-PO
  • Die bestmögliche Überwindung der Nachteile einer räumlichen Verteilung bzw. der „gefühlten Distanz“ durch moderne Kollaborations-Werkzeuge

Im Projekt kam zu letzterem das Tool Sococo sowie eine informelle Aufgabenorganisation via Google Online-Tabellen-Dokumenten zum Einsatz und beides wurde am Ende des Vortrags noch kurz demonstriert.

Agiles Management – ein Widerspruch in sich?

AW MainuschZum Abschluss der externen Vorträge berichtete uns dann noch Johannes Mainusch von Otto eCommerce zu seiner Sicht darauf, wie sich passend zu agilen Vorgehensweisen letztlich auch Management und Organisation ändern müssen. Klassische Linienorganisationen haben insbesondere im Bereich der Kommunikation gravierende Nachteile: Die Kommunikation kann sich kontinuierlich verschlechtern wenn Flurfunk entsteht, der Austausch von Information wird zur Währung, ein Guanxi-Prinzip ersetzt die Unternehmensziele und letztlich entsteht die typische Bürokratie.

Dabei ist eine ungestörte Kommunikation wesentlich. Johannes Mainusch machte das sehr plakativ am Beispiel des Spiels „Stille Post 2.0“ deutlich (ein großer Lacher). Nach einem Ausflug durch die diversen Höllen im Engineering (Legacy, Specialization, Communication) präsentierte er dann aber auch die aus seiner Sicht wichtigsten Gegenmaßnahmen:

  • Information zur Open Source machen
  • Kommunikation verbessern (direkt, cross-funktional, sachorientiert und authentisch)
  • In Beziehungen investieren
  • Agiles Management

Und wie das bei Otto eCommerce aussieht, zeigte er dann: Sieben agile Teams, mehr als 40 Entwickler, agile QS, diverse weitere Rollen und ein Management, das sich neben der Kommunikation insbesondere gegenseitiges Vertrauen und Unterstützung des Teams auf die Fahne geschrieben hat. Er schloss damit, dass aus seiner Sicht für Unternehmen der Zukunft folgende Erfolgskriterien gelten:

  • Kohärentes Team und kohärente Unternehmenswerte
  • Cross-funktionale Zusammenarbeit
  • Vertrauen
  • Exzellente Kommunikation
  • Dezentralisierte Arbeit
  • Demokratische und flexible Strukturen

Gruppenarbeit „Erfolgsfaktoren“

AW GruppenDas ganze Accso-Team (65 von 68 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen waren anwesend) hat sich nach den Vorträgen in einer Gruppenarbeit mit dem Thema „Erfolgsfaktoren im Software-Engineering“ beschäftigt. Hierzu wurde eine Untersuchung wiederholt, die an der Universität Duisburg-Essen (Prof. M. Goedicke) im Rahmen des weltweiten Initiative SEMAT (Software Engineering Method and Theory) konzipiert wurde und die auf der ICSE 2013 in San Francisco (über 1.000 Teilnehmer) erstmalig durchgeführt wurde. Die Fragestellung dieser Untersuchung lautet:

Gibt es ein gemeinsames Verständnis der Software Engineering Community dazu, welche Einflussfaktoren den Erfolg wirklich ausmachen und wenn ja, welche sind das?

Diese Fragestellung interessiert uns natürlich auch brennend. Und da wir als Gesamtthema des Workshops „Agile Transformation“ betrachtet haben, haben wir die Untersuchung noch um die Aspekte „Agilität“ und „Handlungsbedarf für Accso“ ergänzt.

Und damit endete der Workshoptag.

AW Team WS

Samstag, 31. August – Das Team-Event

AW TE1AW TE3AW TE2

Mit Kind und Kegel zogen wir nach dem Frühstück zum Außengelände für unseren Team-Event. Hier wurden wir zuerst in 12 Teams eingeteilt – benannt nach exotischen Ländern – und dann ging es los. Neben diversen Wissens- und Geschicklichkeitsspielen konnten wir unsere Fähigkeiten im Bogenschießen, im Fahren mit dem Team-Mobil (fährt in beide Richtungen und wird gemeinsam gesteuert) und beim Querfeldein mit dem Geländewagen beweisen. Und es ging tatsächlich mit rechten Dingen zu, denn am Ende siegte das wirklich beste Team (ich kann’s bestätigen, denn ich war dabei ;-)).

Wir freuen uns schon alle auf’s nächste Jahr!

AW Team TE

 

Autor

Prof. Dr. Markus Voß Markus ist Mitgründer und Mitgeschäftsführer der Accso GmbH und im Herzen immer noch Software-Architekt.
Weitere Artikel

Das könnte Sie auch interessieren