25. Juli 2016 / von David Gran

6. Accso
Workshop:
Mensch –
Maschine

Maschinen werden zu Menschen, Menschen werden zu Maschinen, Menschen interagieren mit Maschinen. So oder so ähnlich stellen wir uns die Zukunft, getrieben durch die Digitalisierung, vor. Auf unserem diesjährigen 6. Workshop haben wir uns vorgenommen mehr darüber zu erfahren wie man mit Software und Technik die Zukunft gestalten kann. Wir wollten wissen was ist heute schon möglich und was wird vielleicht in Zukunft möglich sein. Hierzu trafen wir uns am 01.07.2016 im Phantasialand in Brühl bei Köln und luden sechs erstklassige Referenten zu verschiedenen Themen ein.

 

Thomas eröffnet den Workshop zu Mensch - Maschine

Tag 1 – Die Vorträge

Der Mensch und die Digitalisierung

Der Auftakt des viel versprechenden Tages machte Ludwig Engel (www.ludwigengel.net). Als Futurologe beschäftigt er sich mit der Zukunft und blickt hierbei durch die Brille der Geisteswissenschaft und der Städtearchitektur. Unser Wunsch war es, dass uns jemand aus einer anderen Ecke des Universums die mögliche Entwicklung in der Zukunft erklärt. Drei wesentliche Punkte konnte uns Ludwig Engel in einem für uns sehr erfrischenden Vortrag liefern:

  • Bei technologischen Entwicklungen geht es uns primär um die Erfahrung die wir mit dem Ergebnis erleben werden und weniger um das Ergebnis selbst.
  • Wir entwickeln technologische Hilfsmittel um durch deren Benutzung wieder näher zu uns zurück zu kommen.
  • In Zukunft müssen wir lernen unsere Maschinen zu lieben, sie als unsere Tanzpartner begreifen. Erst wenn wir Maschinen wirklich lieben, können wir sie wieder beherrschen.
  • Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Technik, Fortschritt und Veränderung (leider zu) oft dem hinterherhinkt was im heute schon Realität und in verschiedenen Bereichen allgegenwärtig ist weil diese Tatsache häufig nicht akzeptiert wird.

Trotz seiner positiven Formulierung für den Umgang mit der Digitalisierung mahnt er auch an, dass es in der Verantwortung der gesamten Gesellschaft liegt, Entwicklungen, die sich zum Machtmissbrauch eigenen, kritisch zu begleiten, wenn nicht sogar zu ächten/verbieten.

Einführung in maschinelles Lernen

Doch welcher Entwicklung hat es bisher bedurft, dass wir heute an einem Punkt angelangt sind, an dem wir uns darüber Gedanken machen können, welche digital getriebene Entwicklungen in naher Zukunft möglich sein werden? Die hierzu notwendigen Grundlagen lieferte uns Andreas Grün. Er führte uns ein in die bisherige Entwicklung der künstlichen Intelligenz und ihrer Verwendung zur Ermächtigung von Computern die ein Mensch in einem Spiel wie Schach oder Go besiegen.

Erst die Kombination von verschiedenen Ansätzen aus Maschine Learning Algorithmen, Neuronalen Netzen und Deep Learning die Ihren Anfang schon in den 50er Jahren hatten, gepaart mit den Ressourcen und Möglichkeiten von Technologie Riesen wie Google in der jüngsten Vergangenheit machen Erfolge wie AlphaGO erst möglich und das zum Teil wesentlich früher, als noch vor einigen Jahren prognostiziert.

Heute. Morgen, übermorgen – How Deep Learning impacts User Interaction

Doch welcher konkrete Nutzen lässt sich heute aus den Verfahren des Deep Learning ziehen? Hierzu konnte uns Olivia Klose von Microsoft einen sehr erfrischenden Einblick liefern.

Aufbauend auf den Grundlagen des maschinellen Lernens konnte Sie uns nun an verschiedenen Beispielen aus dem Hause Microsoft zeigen was heute dank Deep Learning möglich ist.

So lernen wir den Bot how-old.net kennen. Der anhand eines Foto das Alter einer Person schätzen kann. Durch die zu erwartende Streuung sollte man jedoch nicht ganz so ernst mit der Einschätzung der Maschine umgehen. Für alle die gerne Jünger wären, konnte Sie uns aber hilfreiche Tipps hinterlassen:

  • Eine Mütze auf Fotos tragen macht jünger
  • Lächeln macht älter, da wir dann mehr Falten im Gesicht haben
  • Bartträger wirken älter
Reisebuddy – Der intelligente Concierge Service der Deutschen Bahn

Kritiker hatten bis zu diesem Zeitpunkt gute Chancen mit dem Argument „Na das ist doch alles nur Spielerei“ eine jetzt aufkommende Diskussion für sich zu entscheiden. Doch unser nächster Vortrag sollte den Wind in den Segeln der Kritiker abflauen lassen.

Rüdiger Kurz von der Deutschen Bahn machte uns mit dem Reise Buddy bekannt. Ein Service den die Bahn entwickelt um mobile Reiseanfragen in natürlicher Sprache zu verarbeiten. Mit dem Ziel, dass Reisende in natürlicher Sprache bspw. per SMS eine Anfrage an die Bahn verschicken und der Reisebuddy mit der „besten“ Verbindung antwortet.

Bisher erfolgt die Verarbeitung der Anfragen noch qualitätsgesichert durch Menschen. Langfristig wird aber auch hier die künstliche Intelligenz und somit die Maschine die Verarbeitung übernehmen. So werden wir in Zukunft mit dem Reisebuddy sprechen unter der Annahme mit einem menschlichen Gegenüber zu kommunizieren doch wird uns „nur“ eine Maschine antworten.

Neben den uns (allen) bereits bekannten Systemen wie Siri, Alexa, Cortona oder M konnten wir durch Rüdiger Kurz einen Einblick erhalten in die Architektur von solchen Systemen und das auch noch „Made in Germany“.

Virtual Reality und Augmented Reality – Chancen, Herausforderungen, Perspektiven

Nach unserem linearen Durchmarsch durch das Feld der künstlichen Intelligenz hatte der fünfte Referent, Prof. Dr. Ralf Dörner von der HS Rhein Main nun die Aufgabe unser reales und digitales „Blickfeld“zu erweitern. Seine Werkzeuge hierzu Virtual Reality und Augmented Reality.

Angefangen bei den aktuellsten Entwicklungen wie VR-Brillen am Beispiel der Oculus Rift, Körpersimulatoren die an einen Laufstall erinnern oder ganzen Videoräumen zeigt er uns zunächst das breite Spektrum der VR und AR existierende Anwendungen. Wobei er klarstellte, dass der Übergang zwischen Virtual Reality und Augmented Reality fließend ist und man im Zwischenbereich von Mixed Reality (MR) spricht. Begeistert von dieser simplen aber hilfreichen Unterscheidung werde ich von nun an auch nur noch von MR sprechen.

Mit dem neuen Begriff im Hinterkopf ging es auch gleich zu den realen Use Cases von MR. Neben der reinen Spielebranche wird das Feld doch relativ schnell überschaubar. Für das Rapid Prototyping in der Industrie werden mittlerweile MR Systeme eingesetzt die es bspw. ermöglichen eine Vorahnung vom Inneren eines Autos zu erhalten. Ein anderer Use Case ist die Planung von Gebäuden im Baugewerbe wo MR zum Einsatz kommt.

Doch wo liegen die Grenzen von MR? So gibt es hierzu das Schlagwort „Digital Sickness“. Dahinter verbirgt sich eine durch digitale Medien hervorgerufene Seekrankheit, weil wir „die“ Realität im MR Raum plötzlich gravierend anders Erleben als bisher. Unser Gehirn ist mit dieser Situation überfordert und schaltet in den Modus Seekrank um.

Digital Sickness ist eine der größten Herausforderungen in der Zukunft für die Akzeptanz von MR. Eine weitere Herausforderung liegt im Grad der Bewegungsfreiheit den der Benutzer erhält hier lässt sich aber wenig darüber sagen ob und wie dies die Akzeptanz steigern kann.

Bio Hacking

Wem das bisherige „Gerede“ von Digitalisierung noch nicht genügend unter die Haut gegangen ist, der hatte bei unserem sechsten und letzten Vortrag die Chance von einem echten Cyborg zu erfahren was es heißt, wenn die Digitalisierung unsere letzte große Grenze zur Außenwelt hinter sich lässt.

Für Dr. Patrick Kramer, der Gründer von Digiwell, war es einfach für uns einen Vortrag zu halten. Er musste uns lediglich von seinem Leben erzählen und wir er als Cyborg mit einem RFID Chip in der Hand sich seinen Weg bahnt. Türen werden geöffnet durch Hand auflegen, Autos ent- und verriegelt.

Doch wozu das alles? Für ihn liegt im Moment der Mehrwert darin, dass nicht mehr an die drei wichtigsten Dinge denken muss, wenn er sein Haus verlässt: Schlüssel, Geldbeutel und Handy, sondern nur noch an sein Geldbeutel und sein Handy. Für Ihn ist die RFID und NFC Technologie ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung um die „Komplexität“ im Leben wieder zu reduzieren ohne auf etwas zu verzichten.

Der krönende Abschluss seines Vortrags lag darin, dass er jedem Freiwilligen einen eigenen Chip implantierte, was zu regem Interesse unter den Zuschauern geführt hat.

2. Tag – Lasst sie laufen

Wie bei jedem bisherigen Accso Workshop gab es auch in diesem Jahr einen zweiten Tag an dem nun auch die Familien und Partner der Accsonauten teilgenommen haben. Da wir dieses Jahr für unseren Workshop Standort das Phantasialand gewählt haben, verzichteten wir auf einen moderierten Team Event und haben uns in mehr oder weniger Adrenalin suchenden Kleingruppen auf die Erkundung des Parks konzentriert. Mit einigen Kilometern in den Beinen und Höhenmetern im Hintern, fanden wir uns dann alle, wie verabredet, gegen Nachmittag am Treffpunkt ein und ließen den herrlichen 6. Accso Workshop 2016 mit der gemeinsamen Busfahrt nach Darmstadt ausklingen.

Achterbahn bei Accsoworkshop

Autor

David Gran David arbeitet seit April 2013 bei der Accso GmbH. Seine technischen Interessensschwerpunkte sind der Entwurf und die Entwicklung von klassischen OLTP-Systeme und OLAP-Systemen. Darüber hinaus interessiert er sich für verschiedene Ideen, Methoden und Ansätze die das menschliche Miteinander im beruflichen Alltag effizienter und effektiver werden lassen ohne dabei den Mensch und die Menschlichkeit aus den Augen zu verlieren.
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