23. August 2011 / von Thomas Jäger

Sharepoint
oder
WebDAV

Ab und an vergisst man die Historie einer Technik und ist überrascht, wie man sie in einem neuen Kontext einsetzen kann. So geschehen bei mir kürzlich mit Subversion. Zu Zeiten von RCS oder CVS war es noch selbstverständlich, dass man einen physikalischen Zugriff auf dem Repository-Ordner benötigte: Sei es über NFS, einen lokalen Ordner oder über eine Remote Shell (rsh, später ssh). Mit Subversion änderte sich dies: Ich hatte mich daran gewöhnt, einen Apache zu installieren (da ja vieles einfacher wurde, insbesondere der übliche Weg an den Firewalls mit HTTPS vorbei). Daran hatte ich mich so gewöhnt, dass die Dateisystemvariante mir nicht mehr in Erinnerung war.

Auf der Suche nach einer (gehosteten) Dokumentenablage kommt man an den WebDAV basierten Angeboten nicht vorbei: Sei es HiDrive von Strato oder SkyDrive von Microsoft. Die Nachteile dieser Lösungen liegen jedoch auf der Hand: Der Zugriff über WebDAV ermöglicht keine Versionierung, Locking oder Offline-fähigkeit. Für Dokumentmanagement im Team eigentlich nicht tragbar und wenn man viel unterwegs ist, wird die Offline-Fähigkeit zum echten KO-Kriterium (ich weiß, es gibt eine Reihe von Sync-Tools, aber synchronisiert mal ein 5GB großes WebDAV Verzeichnis mit einem dieser Tools: nach Stunden stellt das Tool dann fest, dass es gar keine Änderung gab…). Wie sieht es nun aber mit aus? Subversion bringt diese Features mit und als Alternative zu den WebDAV-Shares war ich sodann auf der Suche nach einem Anbieter für Subversion. Mit den auf dem Markt befindlichen Lösungen war ich jedoch nicht so recht glücklich und ich gab die Suche erstmal auf.

Doch dann fiel es mir wieder ein: Kann man Subversion nicht auch auf einem WebDAV-Verzeichnis installieren? So wie in den alten Zeiten CVS auf einem Dateisystem? Hier meine Lösung mit Sharepoint:

Eine neue Sharepoint Dokumentenkollektion anlegen. Die Versionierung anzuschalten ist natürlich nur bedingt sinnvoll ;)
Einen neuen Ordner für das zukünftige Repository anlegen.
Den Windows Explorer öffnen und aus der Adresszeile die Sharepoint-WebDAV-URL  kopieren.

 

Über “Computer > Netzlaufwerk verbinden…” das Netzlaufwerk verbinden,

 

dabei als Ziel des Netzlaufwerkes die vorher kopierte URL eintragen.

 

Das Repository im neuen Netzlaufwerk über svnadmin erstellen (hier mit dem TortoiseSVN Client).

 

Das Repository wurde nun erstellt. Die Repo-Dateien erscheinen im Explorer.

 

Nun noch das neue Subversion Repository auschecken,

 

dabei als Repository Pfad das verbundene Netzlaufwerk nutzen.

 

Et voilà, ein Subversion im Sharepoint.

 

Porträt Thomas Jäger von Thomas Jäger. Thomas ist seit Januar 2010 bei der Accelerated Solutions GmbH und beschäftigt sich unter anderem mit der Organisation der Infrastruktur des Unternehmens.